Trauerarbeit
Bevor die Aufführung beginnt, liest der Besucher auf einer Schriftwand, dass sich das folgende Geschehen einige Jahre nach den in «Il trovatore» geschilderten Ereignissen begibt. Wie viele Jahre? Es müssen wohl 350 oder 400 vergangen sein, wenn ein Mann in Grau (Luna) das Foyer eines großräumigen Hauses mit mürb-roten Wänden betritt und von der Gastgeberin, einer älteren Dame in vorgestriger Abendrobe, begrüßt wird (Azucena).
Eine junge Frau, nervös und ängstlich, kommt hinzu (Leonora), dann ein ältliches Faktotum (Ferrando), schließlich ein geckenhafter Proll mit blondierten Haaren und einer zu engen Reptilienjacke (Manrico).
Erst nach diesem stummen Vorspiel setzt das lugubre musikalische Vorspiel mit seinen sich windenden Arpeggi und den dramatischen Trompeten-Triolen ein. Blätter, die vom Faktotum verteilt werden, könnten Regieanweisungen sein oder Psycho-Protokolle über das, was den Figuren in Erinnerung geblieben ist von dem grässlichen Geschehen, das sie noch einmal nachvollziehen und zunehmend als reales Geschehen erleben. Es ist, so scheint es, das Bemühen, Kunst in Leben zu verwandeln und in einem Schauer-Drama die Gegenwart zu spiegeln.
Was wie der Versuch einer ...
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Opernwelt August 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Jürgen Kesting
«Können einem toten Mann nicht helfen» – ob Bertolt Brecht mit seinem Kampfruf aus «Mahagonny» auch das Handlungs- und Literaturtheater meinte? Immerhin hat es sich auch nach dem Krieg, in Opern von Hans Werner Henze bis zu Christian Jost, als erstaunlich lebensfähig erwiesen. Daneben aber entstand, vor allem an experimentell gesonnenen Häusern oder auf Festivals...
Domenico Barbaja muss einen guten Riecher gehabt haben, als er den noch unbedeutenden Neuling Vincenzo Bellini, dessen Anfängerarbeiten nur wenig überragendes Talent erkennen ließen, für eine Premiere an der Mailänder Scala unter Vertrag nahm. Dort erlebte dessen dritte Oper «Il pirata» am 27. Oktober 1827 eine triumphale Premiere, der sich 13 Wiederholungen...
Impressum
53. Jahrgang Nr. 8
Opernwelt wird herausgegeben
vom Friedrich Berlin Verlag
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752246
Redaktion Opernwelt
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe war
der 10.07.2012.
Redaktion:
Stephan Mösch
Albrecht...
