Trauerarbeit

Dmitri Tcherniakov und Marc Minkowski deuten in Brüssel Verdis «Trovatore»

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Bevor die Aufführung beginnt, liest der Besucher auf einer Schriftwand, dass sich das folgende Geschehen einige Jahre nach den in «Il trovatore» geschilderten Ereignissen begibt. Wie viele Jahre? Es müssen wohl 350 oder 400 vergangen sein, wenn ein Mann in Grau (Luna) das Foyer eines großräumigen Hauses mit mürb-roten Wänden betritt und von der Gastgeberin, einer älteren Dame in vorgestriger Abendrobe, begrüßt wird (Azucena).

Eine junge Frau, nervös und ängstlich, kommt hinzu (Leonora), dann ein ältliches Faktotum (Ferrando), schließlich ein geckenhafter Proll mit blondierten Haaren und einer zu engen Reptilienjacke (Manrico).

Erst nach diesem stummen Vorspiel setzt das lugubre musikalische Vorspiel mit seinen sich windenden Arpeggi und den dramatischen Trompeten-Triolen ein. Blätter, die vom Faktotum verteilt werden, könnten Regieanweisungen sein oder Psycho-Protokolle über das, was den Figuren in Erinnerung geblieben ist von dem grässlichen Geschehen, das sie noch einmal nachvollziehen und zunehmend als reales  Geschehen erleben. Es ist, so scheint es, das Bemühen, Kunst in Leben zu verwandeln und in einem Schauer-Drama die Gegenwart zu spiegeln.  

Was wie der Versuch einer ...

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Opernwelt August 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Jürgen Kesting

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