Die gefährliche Einsamkeit einer Mutter
Wie soll man heute die fern gerückte Geschichte der Medea erzählen? Kindsmord durch die eigene Mutter findet heutzutage überwiegend in prekärem Milieu statt, als Ursachen für die Kindesmisshandlung mit Todesfolge werden zumeist Verwahrlosung und Überforderung ausgemacht. Also eher nicht jene rasende Rache aus Eifersucht, von der der antike Medea-Mythos erzählt. Der noch dazu in der upper class spielt, ist doch Medea eine Königstocher.
Auch hinsichtlich der gesellschaftlichen Klasse knirscht die Übersetzung ins Heute, denn die ungeliebten Kinder der Schönen und Reichen pflegen sich im 21. Jahrhundert vorzugsweise mittels Drogen selbst aus dem Leben zu schießen.
Florian Lutz holt in Bielefeld Luigi Cherubinis Tragédie lyrique «Médée» in eine zwischen den 1980ern und heute oszillierende Gegenwart, verpflanzt den Konflikt in den Kern der Gesellschaft – die konsumfreudige Mittelschicht – und denkt darüber nach, wie wir es heute eigentlich mit unseren Kindern halten. So hantiert gleich zu Beginn der Damenchor mit Puppenkindern, die emsig mit Musikinstrumenten und anderem pädagogischen Gerät zu erfolgreichen Aufsteigern abgerichtet werden. Die Hochzeitsgesellschaft von Jason und Dircé ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Regine Müller
Bernhard Lang ist nicht der Erste, der Arthur Schnitzlers «Reigen» auf die Opernbühne bringt. Aber seine Ästhetik der transformativen Wiederholung, mit dieser Überzeugung durfte man zur Uraufführung des Stücks bei den Schwetzinger Festspielen reisen, schien die idealen Voraussetzungen zu bieten, Schnitzlers Variationsdramaturgie des Immergleichen – zehn Figuren,...
arte
1.6. – 18.30 Uhr
3./10.6. – 5.15 Uhr
Wiener Walzer.
Wien 2011. The Philharmonics. Walzer von Johann Strauß Sohn.
1.6. – 23.45 Uhr
6./12.6. – 5.05 Uhr
18.6. – 5.00 Uhr
Hommage an Schumann.
Festival d’Aix-en-Provence 2010.
2.6. – 5.05 Uhr
Spuren ins Nichts.
Film von Eric Schulz über den Dirigenten Carlos Kleiber. Mit Brigitte Fassbaender, Veronika Kleiber, Plácido...
Wer die Schönheit lobt, macht sich verdächtig. Gilt bestenfalls als naiv. Unkritisch und verantwortungslos, denkfaul, bequem und opportunistisch: eine Liste von Eigenschaften, mühelos zu verlängern und besonders leicht zu belegen am Beispiel des ästhetizistischen Egomanen Richard Strauss’, der selbst die Kumpanei mit Diktatoren nicht scheute, wenn sie dem eigenen...
