Kammerspiel
Dresden, die Strauss-Stadt. «Feuersnot», «Elektra», «Salome», «Der Rosenkavalier» – sie alle sind hier uraufgeführt worden. Dirigiert von Ernst von Schuch, Strauss’ Leib- und Seelendirigent. Schuch hatte ein Haus zehn Kilometer abseits der Semperoper, in Radebeul, zwischen Weinbergen und Elbstrom. Gleich neben dem Gasthof Goldene Weintraube. Heute steht hier das Stammhaus der Sächsischen Landesbühnen. Stolz ist man auf diese Nähe zu dem großen Herrn, das zeigt eine Ausstellung im Foyer, stolz auch auf Strauss.
Im Jubiläumsjahr gibt es eine «Ariadne auf Naxos», schnörkellos erzählt von Annette Jahns. Ein Saal mit menschlichen Maßen, zeigt sich, ist der Sache dienlich: Niemand muss brüllen, man versteht jedes Wort. Es zeigt sich auch, dass ein Haus wie dieses die kleinen und mittleren Partien gut besetzen kann, es jedoch schwierig wird, wenn die zentralen nicht ganz so glänzen. Patrizia Häusermann spielt und singt den Komponisten hingebungsvoll, aber Ute Bachmaier als quicklebendige Zerbinetta bekommt die spritzigen Koloraturen nicht auf den Körper. Stephanie Krone, als Ariadne vokal durchaus souverän, kann den Monologen die «Längen, gefährlichen Längen» nicht austreiben, und Guido ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Wiebke Roloff
Die Wiederveröffentlichung von Ton- und Bildmaterial aus dem Katalog ist angesichts rückläufiger Umsätze für die großen Klassik-Labels zu einem wichtigen Geschäftszweig geworden. Kein Jubiläum, das nicht für die Zusammenstellung einer CD- oder DVD-Box genutzt würde. Der Griff ins Archiv kostet so gut wie nichts, und alte Einspielungen lassen sich, zumal in neuer...
Vom Finale der «Ariadne»-Oper hatte Hugo von Hofmannsthal klare Vorstellungen – als «wahrhaftiges Geheimnis» wollte er die Vereinigung Ariadnes mit Bacchus auf der Bühne sehen. Mit dem Eintritt des Gottes in die von Zerbinettas Commedia-Truppe immer wieder aufgemischte Tragödienwelt der kretischen Königstochter müssten alle «puppenhaften Kulissen verschwunden...
Man könnte sich die Haare raufen: 1979 wurde in einem Auktionskatalog ein Albumblatt Verdis reproduziert, ohne dass dies irgendeinem Verdi-Forscher aufgefallen wäre – bis heute. So fehlt die Miniatur aus dem Jahr 1877 in allen Werkkatalogen, auch in dem 2013 erschienenen «Verdi Handbuch» – ein Grund mehr, es sich wenigstens nach dem Verdi-Jahr genauer anzuschauen.
D...
