«Die amerikanischen Kollegen lachen sich schief»

Nie systematisch erfasst, nie umfassend digitalisiert, heillos verstreut: Wagner-Forscher klagen über «unhaltbare Zustände» in den Bayreuther Archiven. Auch die Eröffnung des neuen Richard-Wagner-Museums wird daran vorerst nichts ändern. Anmerkungen zu einer über Jahrzehnte verschleppten Misere

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Vielleicht lässt sich das Problem mit Nietzsche verstehen. Damit ein Ereignis Größe habe, müsse zweierlei zusammenkommen, schrieb der Philosoph in seinem viel zitierten Aufsatz «Richard Wagner in Bayreuth»: «der große Sinn derer, die es vollbringen, und der große Sinn derer, die es erleben».

Damit die Größe des Ereignisses auch erkennbar bleibt, braucht es freilich noch etwas: den großen Sinn derer, die die Zeugnisse, Briefe, Schriften und Fotografien zu diesem Ereignis sammeln, sortieren und so zugänglich machen, dass Forscher auch Jahrzehnte später alles finden und komfortabel damit arbeiten können. Das ist mühsam, aufwendig und teuer. Und: Man erwirbt sich damit keinen schnellen Ruhm.

Zum Thema «Richard Wagner in Bayreuth» lagern im Archiv des Richard-Wagner-Museums rund 200 000 Objekte. Das Archiv ist das Rückgrat der weltweiten Wagner-Forschung. Doch wenn man sich bei Wissenschaftlern umhört, die über Wagner arbeiten und in der Villa Wahnfried Quellen studiert haben, dann klingt eines sehr deutlich durch: Ein wenig mehr «großer Sinn» wäre hier dringend nötig.

«Der Zustand ist untragbar, unsagbar schlimm», sagt beispielsweise Eva Rieger, Musikwissenschaftlerin und Biografin ...

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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Essay, Seite 50
von Florian Zinnecker

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