Tenor á la française
Der Startenor Adolphe Nourrit hatte 1829 in der Premiere von Rossinis «Guillaume Tell» die Rolle des Arnold gegeben; 1939/40 auch in Donizettis geplanter Oper «Les Martyrs» die Hauptrolle zu kreieren, war sein großer Wunsch. Es sollte nicht sein: Der von Depressionen geplagte Sänger stürzte sich im März 1839 aus einem Fenster in den Tod.
Mit dem amerikanischen Tenor Michael Spyres wird dieser Traum jetzt in den Neuaufnahmen beider Opern wahr: Sein herrlicher Tenor glänzt mit Klangschönheit, Agilität und mit jener in die Höhe trainierten Bruststimme, die ein Kennzeichen der französischen Technik ist: Spyres stellt sie am eindringlichsten im dritten Akt von «Les Martyrs» mit einem drei Sekunden lang ausgehaltenen, klanglich makellosen hohen E unter Beweis.
«Guillaume Tell» war Rossinis letzte Oper und zugleich sein Debüt im Genre der Grand opéra. Er arbeitete für seine Verhältnisse lange an dem Stück, bloß um dann zu erleben, dass es bald nur noch in stark gekürzten Versionen über die Bühne der Opéra ging (ein Schicksal, das damals die meisten großen Opern mit «Guillaume Tell» teilten). Auch Schallplattenaufnahmen boten das Werk bisher stets in gekürzten Versionen dar. Jetzt bringt ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Detmar Huchting
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