Des Meeres und der Liebe Wellen
Die Situation, mit der uns Alessandro Scarlattis 1718 in Rom uraufgeführtes Melodramma «Telemaco» konfrontiert, ähnelt einer anderen Oper, die auf denselben Stoffquellen – Homers «Odyssee» und Fénelons aufklärerischem Erziehungsroman «Les Aventures de Télémaque» – beruht: Mozarts «Idomeneo». Wie der aus dem trojanischen Krieg heimkehrende Kreterfürst wird auch Odysseus’ Sohn Telemach auf seinen Irrfahrten vom zürnenden Meergott Neptun verfolgt.
Den Schiffbrüchigen verschlägt es ausgerechnet ins Zauberreich der Nymphe Kalypso, deren verführerischen Umgarnungen sich schon sein Vater nur mit knapper Not entwinden konnte. Der Macht der Naturgewalten entronnen erwarten ihn dort im Meer der Liebe die Stürme der menschlichen Leidenschaften.
Telemaco verliebt sich in Erifile, die Sklavin Calipsos, die Herrscherin der Insel wiederum verliebt sich ihrerseits in den Unbekannten. Aus diesem Quidproquo einer noch um Calipsos Bruder Sicoreo und ihren zudringlichen Verehrer Adrasto verkomplizierten weitläufigen Umwegdramaturgie hat Scarlattis Librettist Carlo Sigismondo Capece ein Auf und Ab der Affekte entwickelt, wie es für die barocke Oper typisch ist. Das Ganze geht gut aus: Erifile entpuppt ...
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Für Volker Klotz ist «Der Zigeunerbaron» der Modellfall einer Operette auf Abwegen, gezeichnet vom «überanstrengten Pathos und Sentiment», ein anachronistisches Werk, das weit hinter Offenbach zurückfällt, im Grunde also eine missglückte Große Oper. Dass sie musikalische Qualitäten hat, die über das Genre hinausweisen, steht nicht im Widerspruch zu dieser...
Zwei historische Schwarz-Weiß-Fotografien sind es, die in diesem Bilderbuch der Oper Eindruck machen: Anja Silja in Cherubinis «Médée» (Frankfurt 1971), mit klarer, gebieterischer Gestik und Mimik, ganz die Kraft des Augenblicks in sich bündelnd, und Maria Callas in Donizettis «Poliuto» (Mailänder Scala 1960), mit geschlossenen Augen, leicht geöffnetem singenden...
Wasser. Rings herum nichts als Wasser. Man darf sich das gar nicht vorstellen. Wie das wäre. Was man machen würde in dieser Sekunde, in der das Wasser hier unten, zirka zwölf Meter unter der Straße, durch die Mauern drückt, die Mauern niederreißt, alles, was da kreucht und fleucht, fortreißt in einem riesigen Schwall und man selbst fortgerissen wird von diesen...
