Glaube - Liebe - Hoffnung

Besuch bei einer alten Dame: eine Wanderung durchs Innere der Berliner Lindenoper

Opernwelt - Logo

Wasser. Rings herum nichts als Wasser. Man darf sich das gar nicht vorstellen. Wie das wäre. Was man machen würde in dieser Sekunde, in der das Wasser hier unten, zirka zwölf Meter unter der Straße, durch die Mauern drückt, die Mauern niederreißt, alles, was da kreucht und fleucht, fortreißt in einem riesigen Schwall und man selbst fortgerissen wird von diesen Massen wie ein kleines Plastikspielzeug, wenn das Gebäude langsam einknicken und einen Kniefall machen würde auf den Bebelplatz. Es wäre ein Schauspiel, wie Berlin es nie gesehen hätte. Ein schauderhaftes.


Ein Glück, es ist ja nur eine Vorstellung. Die Realität sieht etwas anders aus. Besser. Das Gefühl jedoch bleibt, was es ist: mulmig. Ganz unten weiß man nie, wo das Licht ist. Man sieht nur den Bitumen, wie er aus einem Lüftungsschacht herausquillt, glibbrig-garstiges, übel riechendes Gezücht aus schwarzen Partikeln. Eigentlich sollte das nicht sein, zumal nicht an diesem heiligen Ort, von dem so viel ausgeht, was wichtig ist für ein Opernhaus, dem Zentrum der technischen Macht: der Druckerhöhungszentrale der Staatsoper Unter den Linden, tief drunten in der märkischen Erde. Aber es ist leider so. Die Oper wird, man kann ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2005
Rubrik: magazin, Seite 28
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Des Meeres und der Liebe Wellen

Die Situation, mit der uns Alessandro Scarlattis 1718 in Rom uraufgeführtes Melodramma «Telemaco» konfrontiert, ähnelt einer anderen Oper, die auf denselben Stoffquellen – Homers «Odyssee» und Fénelons aufklärerischem Erziehungsroman «Les Aventures de Télémaque» – beruht: Mozarts «Idomeneo». Wie der aus dem trojanischen Krieg heimkehrende Kreterfürst wird auch...

Cilea: Gloria (Previtali),Puccini-Leoncavallo u.a.

Unter den Komponisten seiner Generation, die man historisch der «giovane scuola» zuordnet, war Francesco Cilea (1866-1950) schon zu Lebzeiten ein Außenseiter. Sein Nachruhm gründet sich auf eine einzige Oper, «Adriana Lecouvreur» (und auf die populäre Tenorarie «È la solita storia» aus «L’Arlesiana»). An «Gloria», sein letztes Bühnenwerk, hat er selbst nicht recht...

Frankfurt, Verdi: Macbeth

Paolo Carignani dirigiert in Frankfurt die für Paris 1865 erweiterte Fassung von Verdis «Macbeth». Dabei reibt sich die melodische Suggestion, auf die er setzt, mitunter an einer szenischen Interpretation, für die die schroffere Urfassung angemessener wäre. Aus der so entstehenden gelegentlichen Diskrepanz zwischen Graben und der drastisch aufgerauten Optik auf der...