Strauß: Der Zigeunerbaron (A. Jordan)
Für Volker Klotz ist «Der Zigeunerbaron» der Modellfall einer Operette auf Abwegen, gezeichnet vom «überanstrengten Pathos und Sentiment», ein anachronistisches Werk, das weit hinter Offenbach zurückfällt, im Grunde also eine missglückte Große Oper. Dass sie musikalische Qualitäten hat, die über das Genre hinausweisen, steht nicht im Widerspruch zu dieser Erkenntnis.
Um die jetzt als CD veröffentlichte französische Rundfunkproduktion vom Vorjahr richtig einschätzen zu können, sollte man sich das musikalische Umfeld der Entstehungszeit vergegenwärtigen.
Im Jahr der Uraufführung (1885) kamen auch Gilbert & Sullivans «Mikado» heraus, und die 4. Symphonie von Johannes Brahms, Claude Debussy und Richard Strauss standen am Anfang ihrer Karriere. Der Schweizer Dirigent Armin Jordan hat mit dem Wiener Schmäh nichts am Hut und vermeidet auch das opernhafte Pathos, er versucht den Walzerkönig von der symphonischen Seite her zu packen. Das mag im Ganzen problematisch sein, fördert im Einzelnen aber manche Erkenntnis zutage.
Schon die Potpourri-Ouvertüre gerät zur Orchester-Suite, die stimmungsvolle Orchestereinleitung der ersten Szene, eine musikalische Naturbeschreibung, muss man gehört haben. ...
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Als Cyrano de Bergerac in der gleichnamigen Oper nach Edmond Rostand stellte sich Plácido Domingo an der Metropolitan Opera nun in seiner 121. Rolle vor. Von einem verschollenen Meisterwerk kann dabei keine Rede sein, wohl aber von einer brauchbaren, bisweilen faszinierenden pièce d’occasion für einen romantisch veranlagten Star-Tenor d’un certain âge (lies: 64).
Pa...
Zwei historische Schwarz-Weiß-Fotografien sind es, die in diesem Bilderbuch der Oper Eindruck machen: Anja Silja in Cherubinis «Médée» (Frankfurt 1971), mit klarer, gebieterischer Gestik und Mimik, ganz die Kraft des Augenblicks in sich bündelnd, und Maria Callas in Donizettis «Poliuto» (Mailänder Scala 1960), mit geschlossenen Augen, leicht geöffnetem singenden...
Die Zeitungen waren voll davon: «Nahezu offiziersmäßig», so staunte ein Rezensent, ritt im Salzburger «Rosenkavalier» Angelika Kirchschlager als Octavian auf einem «leibhaftigen Schimmel» zum zweiten Akt ein. Nun scheint es freilich nicht gar so überraschend, dass eine sportliche junge Sängerin keine Angst vor einem – vom Reitknecht am Zügel geführten – Pferd hat....
