Der Wind dreht
Überall in Russland wird das Fernbleiben ausländischer Künstlerinnen und Künstler inzwischen schmerzhaft spürbar. Das Bolschoi-Theater verschob alle geplanten «Lohengrin»-Aufführungen aus Mangel an geeigneten Darstellerinnen und Darstellern auf unbestimmte Zeit. Auch das Programm der Moskauer Philharmonie hat sich auffallend verändert; als Ersatz für große internationale Namen greift man auf junge inländische Talente zurück. So ebenfalls an der Helikon-Oper die von Dmitry Bertman geleitet wird.
Dass dessen geplante «Andrea Chénier»-Inszenierung an der Deutschen Oper am Rhein gestrichen wurde (OW 04/2022), wird den Ruf des Künstlerischen Leiters der Moskauer Helikon-Oper gewiss beeinträchtigen, ihm selbst aber nichts anhaben können. Bertman ist bekannt als leidenschaftlicher Verteidiger der gegenwärtig herrschenden Kreise – nicht zuletzt eine Folge der großen Unterstützung, die er beim Bau seiner neuen Bühne erhielt.
Betrüblicherweise muss sich das Haus den Wünschen des anspruchslosesten Teils seines Publikums anpassen. Die Premiere von Jacques Offenbachs Operette «L‘ÎIe de Tulipatan» (in russischer Übersetzung) geriet dementsprechend zu einer billigen Posse – was aber weniger am ...
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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Magazin, Seite 81
von Alexej Parin
Selbsterkenntnis kann einem auch am Schalter in der Frankfurter Bahnhofshalle drohen. Wenn zum Beispiel die Dame den Ticketkäufer freundlich darauf hinweist, ab 60 sei die Bahncard doch billiger. Allein, Christian Gerhaher, am Morgen nach einem «Don Giovanni» unterwegs, war da gerade mal 44. Sicher unausgeschlafen, ein wenig zerzaust, vielleicht sogar mürrisch. Die...
Es kommt nicht eben häufig vor, dass ein Komponist eine frühere Oper nach 30 Jahren wiederverwendet, ja, sogar als Prequel, als Vorläufergeschichte verwendet, um ein neues Musiktheaterwerk zu hoffentlich größerem Ruhm zu führen und damit auch dramaturgisch-erzählerisch zu rehabilitieren. Im Zeichen von Leonard Bernsteins letzter Oper «A Quiet Place» aus dem Jahr...
Joachim Herz war nicht nur ein ausgezeichneter Regisseur, er hatte auch eine so entschiedene wie eigenwillige Meinung über die Stücke, die er inszenierte. In einem Aufsatz von 1958 äußerte sich Herz ausführlich auch zu jenem Gespann, das bis heute gerne an einem Abend gezeigt wird – Pietro Mascagnis «Cavalleria rusticana» und Ruggero Leoncavallos «Pagliacci», den...
