Der Wind dreht
Überall in Russland wird das Fernbleiben ausländischer Künstlerinnen und Künstler inzwischen schmerzhaft spürbar. Das Bolschoi-Theater verschob alle geplanten «Lohengrin»-Aufführungen aus Mangel an geeigneten Darstellerinnen und Darstellern auf unbestimmte Zeit. Auch das Programm der Moskauer Philharmonie hat sich auffallend verändert; als Ersatz für große internationale Namen greift man auf junge inländische Talente zurück. So ebenfalls an der Helikon-Oper die von Dmitry Bertman geleitet wird.
Dass dessen geplante «Andrea Chénier»-Inszenierung an der Deutschen Oper am Rhein gestrichen wurde (OW 04/2022), wird den Ruf des Künstlerischen Leiters der Moskauer Helikon-Oper gewiss beeinträchtigen, ihm selbst aber nichts anhaben können. Bertman ist bekannt als leidenschaftlicher Verteidiger der gegenwärtig herrschenden Kreise – nicht zuletzt eine Folge der großen Unterstützung, die er beim Bau seiner neuen Bühne erhielt.
Betrüblicherweise muss sich das Haus den Wünschen des anspruchslosesten Teils seines Publikums anpassen. Die Premiere von Jacques Offenbachs Operette «L‘ÎIe de Tulipatan» (in russischer Übersetzung) geriet dementsprechend zu einer billigen Posse – was aber weniger am ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Magazin, Seite 81
von Alexej Parin
Natürlich gibt es die silberne Rose. Und Octavian hat sie sogar dabei, auch wenn einen Aufzug zuvor der skeptische Ochs fast hineingebissen hätte. Nun also: Tusch, danach das berühmte gläserne Zerfließen der Musik – und es hebt an das linkische Spiel zwischen dem Titelhelden und der kulleräugigen Sophie, bis es in beiden emporgiggelt und sie in frivoles Gelächter...
Erst das Satyrspiel, dann die Tragödie: Zehn Monate vor Massenets «Thaïs», im Mai 1893, brachte Camille Saint-Saëns seine in Windeseile komponierte Opéra comique «Phryné» auf ein Libretto von Lucien Augé de Lassus heraus. Dem tragischen Paar, einem erotisch verquälten Mönch aus der thebaischen Wüste und einer frömmelnden alexandrinischen Kurtisane, die ekstatisch...
Die Verwüstung, die die NS-Propaganda angerichtet hat, hinterlässt in den Spielplänen bis heute ihre Spuren. Unter den seinerzeit verfemten Werken aus den Jahren 1900 bis 1935 befinden sich großartige, musikgeschichtlich wichtige Opern und Operetten, die zum Teil nach wie vor nicht gänzlich rehabilitiert sind. Die Staatsoper Prag präsentiert nun mit der (vom...
