Theatermusik für alle

Jörg Königsdorf über den Opernkomponisten Telemann in Gießen und Magdeburg

Opernwelt - Logo

Es waren starke Worte, die die Hamburger anno 1728 von der Bühne ihres Opernhauses zu hören bekamen: «Adel ohne Tugend Zier / kommt mir wie ein Storchnest für. / Denn auf hoher Bäume Wipfeln / und der höchsten Häu­ser Gipf­feln / hat der Storch zwar sein Quartier / Übrigens hingegen tauget / gar zu nichts das ganze Tier.

» Deutlicher als in dieser Arie des Rates Steffen, der in Telemanns neuer Oper die rührende ­Geschichte der Kaisertochter Emma und des bürgerlichen Emporkömmlings Egin­hard kommentierend begleitete, ließen sich die Ressentiments der hansestädtischen Kaufleute gegen die Herren von Stand kaum in Worte fassen. Wie schon sein Vorgänger Reinhard Keiser, der sogar den neapolitanischen Fischeraufstand des «Masaniello» auf die Opern­­­bühne gebracht hatte, scheute sich auch Hamburgs General­musik­direktor nicht, heiße Eisen anzupacken – und das, obwohl die Hamburger Gänsemarkt-Oper auf die Zuwendungen der umliegenden Höfe ebenso angewiesen war wie auf die Eintrittsgelder des bürgerlichen Publikums. Umso erstaunlicher, dass die sieben erhaltenen großen Opern Georg Philipp Telemanns bislang kaum vom Barockopern-Fieber an den Opernhäusern profitiert haben – nach der ersten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2008
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Frühlingserwachen in Südwest

Interim. Das heißt «unterdessen – inzwischen» und bedeutet im allgemeinen Sprachgebrauch ein Provisorium. Das Theater Freiburg lebt damit nun schon im zweiten Jahr, nachdem General­musikdirektorin Karen Kamensek sich im Umfeld des Intendantinnenwechsels (Amélie Niermeyer/Barbara Mundel) vorzeitig aus dem Amt zurückgezogen hatte und die Nachfolgesuche sich...

Wir sind uns nicht böse

Am Ende, als die Bravo- und Buhsalven aus dem Zuschauerraum prasselten, gab Essens GMD und Opernchef Stefan Soltesz dem Regisseur nicht nur die Hand, er umarmte ihn auch nicht jovial, sondern er machte ­gehorsamst einen Diener. Ja, es ist ein Coup, dass Hans Neuenfels in Essen in­szeniert, wo er doch schon vor Jahrzehnten Theatergeschichte geschrieben hat in...

Der enthüllende Blick

Als die dreizehnjährige Ballettschülerin Edith Aptowitzer am 14. März 1938 zum Unterricht in die Staatsoper will, tritt ihr ein Pförtner in den Weg. «Juden kommen hier nicht rein», erklärt er. Die heute 83-Jährige schildert den Vorfall mit stockender Stimme bei der Pressekonferenz zur Ausstellung der Wiener Staats­oper «70 Jahre danach – Täter, Opfer, Zuschauer»....