Der Mann vom Meer
Es gibt Musik, die ohne eine bestimmte Landschaft undenkbar ist. Was wäre Janáceks «Schlaues Füchslein» ohne Hukváldy? Gäbe es die «Alpensymphonie» ohne das Panorama von Garmisch? Wie wäre die Zweite von Brahms ohne Pörtschach ausgefallen? Wie Webers Wolfsschlucht und Wagners Nibelheim ohne die Sächsische Schweiz?
Benjamin Britten wuchs an Englands Ostküste auf, in einem Nest namens Lowestoft. Das Meer hat ihn immer fasziniert. «Peter Grimes», sein Durchbruchstück, lebt davon.
Britten konnte alles in Klang fassen: Fischgeruch und Gischt, die Enge in den Köpfen und die Weite der Natur, Bigottes und Unterdrücktes. Er porträtierte genau und ließ am Ende doch alles offen. Homosexualität konnte 1945 noch kein unmissverständliches Thema einer Oper sein. Ulrich Schreiber hat in seinem «Opernführer für Fortgeschrittene» eindringlich beschrieben, wie bei Britten der schwule Subtext als ästhetischer Mehrwert zum Tragen kommt. Komponiert wurde «Peter Grimes» in einer alten Mühle unweit von Brittens Geburtsort. Sie befindet sich in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden. Nur eine Tafel erinnert daran: Hier entstand jene Oper, die der englischen Musik mit einem Schlag die lange ...
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