Lärmende Metamorphosen

Mills’ «The Love of the Nightingale» in Brisbane

Opernwelt - Logo

Der klassische Mythos hat dank seiner metaphorischen Kraft bis in unsere Zeit überlebt. Mehr noch: Er berührt das Wesen der Kunst an sich. Erstaunlich, dass nur wenige australische Komponisten sich durch die mythische Überlieferung – sei es des alten Griechenlands oder der Aborigines – haben inspirieren lassen. Schon aus diesem Grund ist Richard Mills’ neue Oper «The Love of the Nightingale» bemerkenswert. Aber auch, weil dieses Werk seine beiden früheren Opern «Summer of the Seventeenth Doll» und «Batavia» übertrifft.

Ob Mills mit ihm auch eine unverwechselbar eigene «Stimme» gefunden hat, muss freilich dahingestellt bleiben.
Das Libretto schrieb die englische Dramatikerin Timberlake Wertenbaker in Anlehnung an ihr gleichnamiges Stück von 1988, für das sie sich bei Ovids «Metamorphosen» bediente. Der Plot: Als Lohn für seine Unterstützung Athens erhält der Thrakerkönig Tereus die Tochter des athenischen Königs Pandion, Prokne, zur Frau. Doch dieser bleiben Sitten, Sprache und Klima Thrakiens fremd, sie sehnt sich nach Philomele, ihrer jüngeren Schwes­ter. Schließlich geht Tereus nach Athen, um Philomele von der Sehnsucht Proknes zu berichten. Dort sieht er ein Stück von Euripides, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2007
Rubrik: Magazin, Seite 64
von John Carmody

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wenn Blut zu Blüten wird

Dafür dass man die Zürcher Tonhalle nicht mehr in ers­ter Linie als klassizistischen Musentempel erlebt, sondern als Sinnbild für frisches Musizieren, hat ­David Zinman mit seiner Quirligkeit ­gesorgt. Aber sein Kollege Muhai Tang setzt noch eins drauf: Als Chefdirigent des Zürcher Kammerorchesters setzt er in seiner ers­ten Saison bereits mit dem Mini-Festival...

La Malibran rediviva?

Die Idee, das Repertoire eines his­torischen Sängers zum Ausgangspunkt eines Arienalbums zu machen, ist nicht neu. Vivica Genaux hat vor einigen Jahren mit großem Erfolg eine Sammlung von Arien Farinellis vorgelegt. Gleich mehrere Sänger (Drew Minter, Andreas Scholl und jüngst Marijana Mijanovic) – haben sich Programme aus Favoritstücken von Farinellis Konkurrenten...

Mit dem Genius Loci auf Du

In der Spätzeit der DDR lag Stralsund am Boden. Noch zu Beginn der neunziger Jahre, kurz nach der Wende, bot sich dem Besucher, der durch die Gassen der einstmals florierenden Hansestadt flanierte, ein Bild der Verheerung: blinde Fenster, bröckelnder Putz, löchrige Dächer, schimmelndes Holz – wüstes Terrain, wohin das Auge blickte. Und das mitten in jenem von der...