Lärmende Metamorphosen
Der klassische Mythos hat dank seiner metaphorischen Kraft bis in unsere Zeit überlebt. Mehr noch: Er berührt das Wesen der Kunst an sich. Erstaunlich, dass nur wenige australische Komponisten sich durch die mythische Überlieferung – sei es des alten Griechenlands oder der Aborigines – haben inspirieren lassen. Schon aus diesem Grund ist Richard Mills’ neue Oper «The Love of the Nightingale» bemerkenswert. Aber auch, weil dieses Werk seine beiden früheren Opern «Summer of the Seventeenth Doll» und «Batavia» übertrifft.
Ob Mills mit ihm auch eine unverwechselbar eigene «Stimme» gefunden hat, muss freilich dahingestellt bleiben.
Das Libretto schrieb die englische Dramatikerin Timberlake Wertenbaker in Anlehnung an ihr gleichnamiges Stück von 1988, für das sie sich bei Ovids «Metamorphosen» bediente. Der Plot: Als Lohn für seine Unterstützung Athens erhält der Thrakerkönig Tereus die Tochter des athenischen Königs Pandion, Prokne, zur Frau. Doch dieser bleiben Sitten, Sprache und Klima Thrakiens fremd, sie sehnt sich nach Philomele, ihrer jüngeren Schwester. Schließlich geht Tereus nach Athen, um Philomele von der Sehnsucht Proknes zu berichten. Dort sieht er ein Stück von Euripides, ...
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