Erls König
Alle sechs Jahre finden in Erl Passionsspiele statt. 2008 ist wieder so ein Jahr. Fünfhundert Laiendarsteller aus dem Dorf werden die Kreuzigung als kommunalen Akt bestreiten. Der Text, den sie sprechen, wird neu gefasst sein, aber wie immer auf das Osterspiel des Meistersingers Sebastian Wild aus dem 17. Jahrhundert zurückgehen. Die Musik wird nicht mehr, wie lange Jahre, von Cesar Bresgen stammen, sondern von Wolfram Wagner.
In den Jahren, in denen Christus, Judas und Pilatus nicht auftreten, dient das Festspielhaus zwischen Kuhweiden und sanften Ausläufern des Kaisergebirges für eine Passion anderer Art. Auch bei ihr geht es um den Lauf der Welt und persönliches Leid, um Liebe, Verrat und einen lange eingefädelten Mord am Hoffnungsträger. Wagners «Ring des Nibelungen» ist Kernstück der «Tiroler Festspiele», die der österreichische Dirigent Gustav Kuhn vor zehn Jahren ins Leben rief. Inzwischen liegt der Zyklus aus Erl auf CD und DVD vor, wurde auch schon in sensationsheischenden 24 Stunden gespielt und ist um andere Werke Wagners erweitert worden. Zum Jubiläum zieht Kuhn Bilanz. «Wagners ‹Ring› hat sieben Teile», heißt das Motto. «Siegfried» wird nach dem zweiten Akt ...
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Es ist gut vier Jahrzehnte her, dass – mit Beginn der Spielzeit 1966/67 – ein junger Bariton die Bühne der Hamburgischen Staatsoper betrat, der aufmerken ließ: mit der schon gefestigten Stimme eines Endzwanzigers von bildschönem Timbre, kantabler Qualität und gestisch beredter Diktion, dazu mit einem Bühnenausdruck von starker, bisweilen ans Charismatische...
Wer Musik unpolitisch nennt, hat meistens etwas zu verbergen. Wie könnte sich der Bürger auch der pólis entziehen? Vieles wurde unter den Teppich gekehrt, was die Wissenschaft wieder ans Licht bringen kann. Ein weites Betätigungsfeld für junge Forscher, das 1968 ff. schon einmal Konjunktur hatte und jetzt als Massenphänomen eine Renaissance erlebt. Der Hamburger...
Ein «Traumpaar der Oper» wie in unseren Tagen Anna Netrebko und Rolando Villazón waren sie gewiss nicht. Wenn der «Löwe» und die «Tigerin» in einem Käfig, sprich: auf der Opernbühne aufeinander trafen, dann war eine Stimmung im Auditorium wie in Schillers berühmter Ballade «Der Handschuh». Die damals florierende Schallplatten-Industrie hat sie fein auseinander...
