Der enthüllende Blick

Wiener Perspektiven: eine überfällige Ausstellung und David Pountneys irrige Inszenierung von Verdis «La forza del destino» an der Staatsoper; Cherubinis «Médée» nach der Kritischen Neuausgabe am Theater an der Wien; zeitgenössisches Musiktheater an der Kammeroper und der Neuen Oper

Opernwelt - Logo

Als die dreizehnjährige Ballettschülerin Edith Aptowitzer am 14. März 1938 zum Unterricht in die Staatsoper will, tritt ihr ein Pförtner in den Weg. «Juden kommen hier nicht rein», erklärt er. Die heute 83-Jährige schildert den Vorfall mit stockender Stimme bei der Pressekonferenz zur Ausstellung der Wiener Staats­oper «70 Jahre danach – Täter, Opfer, Zuschauer». Am 12.

März 1938 waren die Hitler-Truppen in Österreich einmarschiert und hatten in der Folge eine geradezu delirische Volksraserei ausge­löst, die der nach Wien vertriebene ehemalige Generalintendant der Deutschen Oper Berlin Carl Ebert in einem Brief so beschrieb: «Als wir mit Caspar Neher die Oper verlassen, schlägt uns wilder Jubel entgegen: Schreiende, singende Menschen, sie strecken einander die Hände ins Gesicht mit dem gebrüllten Gruß, der sie zu berauschen scheint, stehen auf den Trittbrettern sinnlos rasender Autos, schwingen Papierfähnchen mit dem bru­talen kabbalistischen Zeichen – wo kommen so plötzlich diese Tausenden von Fähnchen her?» Später freilich wollte keiner so ein Hakenkreuzfähnchen geschwungen haben, ja überhaupt dabei gewesen sein.
Unter den damals Vertriebenen, Zwangspensionierten und Verfolgten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2008
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Theatermusik für alle

Es waren starke Worte, die die Hamburger anno 1728 von der Bühne ihres Opernhauses zu hören bekamen: «Adel ohne Tugend Zier / kommt mir wie ein Storchnest für. / Denn auf hoher Bäume Wipfeln / und der höchsten Häu­ser Gipf­feln / hat der Storch zwar sein Quartier / Übrigens hingegen tauget / gar zu nichts das ganze Tier.» Deutlicher als in dieser Arie des Rates...

Prinzip Hoffnung

Lange hatte man nichts gehört vom Meis­terregisseur. Seit dem Weggang aus Hamburg war Peter Konwitschny abgetaucht, (fast) nur noch für Wiederaufnahmen seiner Inszenierungen durch die Lande gereist. Nun ist er wieder da. Mit Beginn der Spielzeit 2008/09 wird Konwitschny Chefregisseur an der Oper Leip­zig. Sein Vertrag hat eine Laufzeit von sechs Jahren, und gleich...

Italienische Reise

Ein unbekannter Ritter hat beim Turnier von Ashby den als unbesiegbar geltenden Briano geschlagen. Nun erwartet er den Lorbeerkranz, überreicht von der schönen Rovena. Briano unterlag, weil er einen Augenblick lang abgelenkt war, als er die schöne Jüdin Rebecca im Publikum erblickte. In sie ist er verliebt, seit er sie in Palästina sah. Prompt beginnen die...