Beziehungsprobleme
Der «Lohengrin»-Frust sitzt offenbar tief bei Barrie Kosky. Während seiner Arbeit an Brittens «Sommernachtstraum» ließ er über die Medien erst mal jede Menge Wien-Schelte vom Stapel, um zu betonen, wie unvergleichlich viel freier die Produktionsbedingungen im hanseatisch aufgeschlossenen Bremen seien. Aber das Ergebnis zeigte dann, dass ein bisschen mehr Kontrolle dem seinen Einfällen offenbar völlig unkritisch gegenüberstehenden Regisseur durchaus gut getan hätte.
Die durch stumme und andere Zusatzszenen auf fast vier Stunden gedehnte Inszenierung quoll über von oft allzu oberflächlich und simpel gestrickten Ideen unterschiedlichster Couleur, angesichts derer die Poesie des Werkes bis auf wenige Ausnahmen (etwa dem Finale des zweiten Aktes) hoffnungslos auf der Strecke blieb.
Oberon, eine Tunte im Glitzerfummel, die Handwerker als Altmänner-Turnerriege an der Ballettstange, trippelnde Elfen im gefiederten Revuegirlschmuck, der zum Esel verwandelte Zettel mit einem bis zum Knie aus der Hose heraushängenden Riesenphallus, Wasserschlachten wie in der Provinzposse, danach die beiden Liebespaare (darunter der Tenor mit vor Fett schwabbelndem Körper) in Unterwäsche ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tito liebt Berenice, muss aber aus Gründen der Staatsräson auf sie verzichten. Sesto, Titos engster Freund, ist Vitellia hörig. Für diese aber, die Tochter des gestürzten Imperators Vitellius, ist Liebe eine kalte Zweckbeziehung – sie möchte auf den Thron, einerlei ob durch die Heirat mit Tito oder einen erfolgreichen Umsturzversuch Sestos. Die Rede ist von...
Zwei thematische Schwerpunkte annoncierten Rainer Pöllmann und Margarete Zander, die von den Veranstaltern DeutschlandradioKultur respektive RBB-Kulturradio eingesetzten Köpfe der achten Ultraschall-Saison: Werke der zeitgenössischen Musikszene Polens und Arbeiten des 1980 verstorbenen Klangforschers Franco Evangelisti, einst neben Berio und Nono zur wichtigsten...
Da wächst ein großes Talent heran: Antony Hermus, seit einem Jahr GMD in Hagen. Der junge Dirigent imponierte mit «Elektra», ließ trotz kompakter Klangattacken Raum für Steigerungen, differenzierte klug diesen «blutigen» Klangrausch, hellte zumal die wenigen «friedlichen» Momente wunderbar wie lyrisch-lichte Schneisen im mythosbeladenen Dunkel auf. Das Hagener...
