Beziehungsprobleme

Bremen, Britten: Ein Sommernachtstraum

Opernwelt - Logo

Der «Lohengrin»-Frust sitzt offenbar tief bei Barrie ­Kosky. Während seiner Arbeit an Brittens «Sommernachtstraum» ließ er über die Medien erst mal jede Menge Wien-Schelte vom Stapel, um zu betonen, wie unvergleichlich viel freier die Produktionsbedingungen im hanseatisch aufgeschlossenen Bremen seien. Aber das Ergebnis zeigte dann, dass ein biss­chen mehr Kontrolle dem seinen Einfällen offenbar völlig unkritisch gegenüberstehenden Regisseur durchaus gut getan hätte.

Die durch stumme und andere Zusatzszenen auf fast vier Stunden gedehnte Inszenierung quoll über von oft allzu oberflächlich und simpel gestrickten Ideen unterschiedlichster Couleur, angesichts derer die Poesie des Werkes bis auf wenige Ausnahmen (etwa dem Finale des zweiten Aktes) hoffnungslos auf der Strecke blieb.
Oberon, eine Tunte im Glitzerfummel, die Handwerker als Altmänner-Turnerriege an der Ballettstange, trippelnde Elfen im gefiederten Revuegirlschmuck, der zum Esel verwandelte Zettel mit einem bis zum Knie aus der Hose he­raus­hän­genden Riesenphallus, Wasserschlachten wie in der Provinzposse, danach die beiden Liebes­paare (darunter der Tenor mit vor Fett schwabbelndem Körper) in Unterwäsche ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2006
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Vom Varieté auf die Couch

Zwischen Farce und Drama liegt manchmal nur ein ­Augenblick. Ist die Stimmung gerade noch heiter überdreht, funkt plötzlich das böse Schicksal dazwischen und bringt alles auf Tragödienkurs. Die Lacher verstummen, die Mienen verdunkeln sich. Die Lust am schrillen Unsinn schlägt jäh in depressiven Tiefsinn um. Und doch kommt die Nähe des scheinbar Disparaten nicht...

Janácek: Das schlaue Füchslein

Die Bühne der Nederlandse Opera zeigt die Welt als große Animal Farm, mit mehr Tieren, als der Komponist je hätte vertonen können. Nicht nur Füchse, Dackel, Mücken, Frösche und Grillen, sondern auch Pferde, Schweine, Marien­käfer, Raupen und Fliegen treten auf. Alle sind in sehr fantasievolles Outfit gekleidet, das gleichzeitig an Mensch und Tier erinnert. Der...

Präzise Turbulenzen

Keine Frau, spottet Despina, sei bisher an Liebeskummer gestorben. Ob sie wirklich glaube, erwidert darauf Dorabella, dass einen anderen lieben könne, wer einen Gug­lielmo oder Ferrando hatte. Die Fehlleis­tung, dass sie erst den Liebhaber ihrer Schwester nennt – ist komponiert. Die in der musikalischen Phrase nach «Gug­lielmo» stehende Pause übersetzt Vincent...