Die Crux mit den letzten Dingen
Die ewigen letzten Fragen, sie sind auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch für eine Oper gut. Nicht, dass die Mär von Doktor Faustus, in vielen Drehungen und Wendungen vom leibhaftigen Mannsbild des fünfzehnten Jahrhunderts (Georg Faust aus Knittlingen) zur Volkssage und schließlich zu einem der meistverhandelten Topoi der abendländischen Literatur avanciert, in der Musiksphäre zuvor kein Interesse gefunden hätte. Faust-Werke mit Sang und Klang lassen sich beinahe dreihundert Jahre zurückverfolgen.
Und es waren keineswegs nur deutsche Komponisten, die – mit Goethes «Faust», der Deutschen heiligsten Dichterworten, unter dem Notenblatt – zu ergründen suchten, was die Welt im Innersten zusammenhält.
Zwar hat der ob seiner Schwäche fürs Grundsätzliche und die faustische Zwei-Seelen-Lehre dem Stoff zugeneigte teutonische Geist durchaus eine eigene Tradition musikalischer Annäherungen hervorgebracht – die Ahnengalerie reicht hier von Louis Spohr und Robert Schumann bis zu Hanns Eisler und Wolfgang Rihm. Auch Tonsetzer italienischer Abkunft zeigten ein besonderes Faible für die vertrackte Materie (Arrigo Boito, Ferruccio Busoni, Luca Lombardi). Das gelobte Land aller ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Zwei thematische Schwerpunkte annoncierten Rainer Pöllmann und Margarete Zander, die von den Veranstaltern DeutschlandradioKultur respektive RBB-Kulturradio eingesetzten Köpfe der achten Ultraschall-Saison: Werke der zeitgenössischen Musikszene Polens und Arbeiten des 1980 verstorbenen Klangforschers Franco Evangelisti, einst neben Berio und Nono zur wichtigsten...
Hätten Sie erraten, mit welcher Oper Cagliari zur Saisoneröffnung den Jahresregenten Mozart feiert? Unwahrscheinlich. Es ist eine italienische Erstaufführung: der «Chérubin» von Jules Massenet, uraufgeführt 1905 in der Opéra von Monte Carlo. Eine verdienstvolle Ausgrabung, zumal in einer so guten und witzigen Wiedergabe.
Es ist eine Mozart-Ehrung von hinten...
Thornton Wilder veröffentlichte 1931 seinen Einakter zum Fest: «The Long Christmas Dinner». Darin bringt er ein Weihnachtsmenü auf den Tisch, das, streng genommen, neunzig Jahre dauert. Hier werden Handlungen, Ereignisse, Stimmungen eines knappen Jahrhunderts mosaikartig zusammengetragen; während die Ahnen auf der einen Seite die Bühne verlassen, kommen ihre...
