Die Crux mit den letzten Dingen
Die ewigen letzten Fragen, sie sind auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch für eine Oper gut. Nicht, dass die Mär von Doktor Faustus, in vielen Drehungen und Wendungen vom leibhaftigen Mannsbild des fünfzehnten Jahrhunderts (Georg Faust aus Knittlingen) zur Volkssage und schließlich zu einem der meistverhandelten Topoi der abendländischen Literatur avanciert, in der Musiksphäre zuvor kein Interesse gefunden hätte. Faust-Werke mit Sang und Klang lassen sich beinahe dreihundert Jahre zurückverfolgen.
Und es waren keineswegs nur deutsche Komponisten, die – mit Goethes «Faust», der Deutschen heiligsten Dichterworten, unter dem Notenblatt – zu ergründen suchten, was die Welt im Innersten zusammenhält.
Zwar hat der ob seiner Schwäche fürs Grundsätzliche und die faustische Zwei-Seelen-Lehre dem Stoff zugeneigte teutonische Geist durchaus eine eigene Tradition musikalischer Annäherungen hervorgebracht – die Ahnengalerie reicht hier von Louis Spohr und Robert Schumann bis zu Hanns Eisler und Wolfgang Rihm. Auch Tonsetzer italienischer Abkunft zeigten ein besonderes Faible für die vertrackte Materie (Arrigo Boito, Ferruccio Busoni, Luca Lombardi). Das gelobte Land aller ...
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