Augenblick, verweile doch!
Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, auch der ersten Spielzeit des neuen Weimarer Intendantentrios – Chefregisseur Valentin Schwarz, Schauspieldirektor Timon Jansen sowie der ebenfalls inszenierende Operndirektor Dorian Dreher. Jetzt kommt es darauf an, was die drei Herren daraus machen.
Wollen sie zaubern? Eher nicht, möchte man meinen nach der Premiere von Lili Boulangers klangfarblich schillernd durchwirkter, an Wagner gemahnender Lyrischen Episode «Faust et Hé-lène», die 1913 in Paris uraufgeführt wurde, zu einem Zeitpunkt, als die frühbegabte Schwester der renommierten Musikpädagogin Nadia gerade einmal 20 Jahre alt war. Lili starb 1918, im selben Jahr wie Debussy. Was hätte aus ihrer Feder alles noch kommen können ... Auch heute noch betören Boulangers fliegende Streicher-Teppiche (mit vielfach auskomponiertem, harmonisch vagierendem Tristan-Akkord), über denen die körperlos intonierenden Blechbläser der von Daniel Carter geleiteten Staatskapelle Weimar an der Chronologie der teils auch drastischen Ereignisse an diesem nachhaltig wirkenden Musiktheaterabend nachhaltig kratzen.
Ein flehentliches «Verweile doch, du bist so schön» drängt sich auch angesichts der betörend ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Panorama, Seite 67
von Achim Heidenreich
Vielleicht haben sie in einer Kühlkammer geruht, im Zustand zwischen nicht mehr lebendig und tot, auf dass sie, wie in dieser Aufführung geschehen, jederzeit reanimiert werden können, und auch, um wichtigen Fragen nachzugehen: Was hatte es eigentlich auf sich mit den rivalisierenden Königinnen? Wie verliefen die Kraftfelder der Macht, wer steuerte sie? Und gab es...
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Person und Werk möglichst strikt voneinander zu trennen gehört für den Rezipienten bei Richard Wagner zu den wichtigsten Überlebensstrategien. Bei manchem seiner Exegeten empfiehlt sich eine ähnliche Trennung, bei Stefan Mickisch zum Beispiel, der fünfzehn Jahre lang bei den Bayreuther Festspielen Einführungsvorträge veranstaltete – zunächst auf offizieller Seite,...
