Teatro comico
Omer Meir Wellber macht diese Premiere zur Chefsache. Damit setzt Hamburgs Generalmusikdirektor ein Zeichen, stellt «Il barbiere di Siviglia» neben die Wagner-Opern «Lohengrin» und «Tristan und Isolde», Schumanns «Paradies und die Peri», Strauss’«Salome» und Mozarts «Così». Er scheint mit der bunten Repertoirewahl seiner ersten Saison weniger seine vielseitige Stilsicherheit beweisen zu wollen, als vielmehr zu demonstrieren, dass Rossinis melodische und harmonische Einfachheit der besonderen Aufmerksamkeit bedarf und mit Liebe zum Detail ernst genommen sein will.
Die seidigen Streicher und das ausgereizte Brio der Ouvertüre lassen sofort aufhorchen: Da tritt der Dirigent erst bewusst auf die Bremse, um das Tempo hernach manisch zu steigern. Solch verblüffende Effekte durchziehen den ganzen Abend, zumal in Wellbers individueller Behandlung der Rezitative, die er selbst am Hammerflügel begleitet und mit Zitaten aller Arten anreichert. Natürlich ist das alles penibel geprobt, doch es erweckt immer wieder den Anschein des improvisatorisch erfüllten Augenblicks. Derart risikobereit musiziert das Philharmonische Staatsorchester unter seinen animierenden Händen, dass in den multiplen acc ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Panorama, Seite 61
von Peter Krause
Es ist leider nicht bekannt, ob die Fürstin Feldmarschallin Werdenberg, Kosename «Bichette», eine eifrige Nietzsche-Leserin war. Lauscht man ihrer von milden F-Dur-Klängen ummantelten Introspektion im ersten Akt von Strauss’ «Rosenkavalier», darf man allerdings davon ausgehen. Wie sonst wüsste sie so genau um das Wesen menschlicher Existenz, um die Vergänglichkeit...
Die Tonart ist, selbst für Schubert, ungewöhnlich: Fis-Moll, das klingt nach Abseitigkeit, Abgrundtiefe, vielleicht sogar nach einem endgültigen Abschied. Und so ist es auch. Die «Totengräberweise» auf Verse des Freiherrn Franz Xaver von Schlechta führt uns direkt auf den Friedhof. «Ziemlich langsam» und ziemlich leise (piano) wünscht sich der Komponist dieses Lied...
Nein, dieses klingende «Bildnis» ist überhaupt nicht bezaubernd schön, es ist erschreckend finster, nahezu apokalyptisch. Und war an der Staatsoper Prag noch nie zu bestaunen – Poulencs «Dialogues des Carmé-lites» erleben an diesem Maiabend ihre szenische Erstaufführung. Während das vollbesetzte, von Hermann Bäumer angeführte Orchester des Hauses im Pulk durch den...
