Teatro comico
Omer Meir Wellber macht diese Premiere zur Chefsache. Damit setzt Hamburgs Generalmusikdirektor ein Zeichen, stellt «Il barbiere di Siviglia» neben die Wagner-Opern «Lohengrin» und «Tristan und Isolde», Schumanns «Paradies und die Peri», Strauss’«Salome» und Mozarts «Così». Er scheint mit der bunten Repertoirewahl seiner ersten Saison weniger seine vielseitige Stilsicherheit beweisen zu wollen, als vielmehr zu demonstrieren, dass Rossinis melodische und harmonische Einfachheit der besonderen Aufmerksamkeit bedarf und mit Liebe zum Detail ernst genommen sein will.
Die seidigen Streicher und das ausgereizte Brio der Ouvertüre lassen sofort aufhorchen: Da tritt der Dirigent erst bewusst auf die Bremse, um das Tempo hernach manisch zu steigern. Solch verblüffende Effekte durchziehen den ganzen Abend, zumal in Wellbers individueller Behandlung der Rezitative, die er selbst am Hammerflügel begleitet und mit Zitaten aller Arten anreichert. Natürlich ist das alles penibel geprobt, doch es erweckt immer wieder den Anschein des improvisatorisch erfüllten Augenblicks. Derart risikobereit musiziert das Philharmonische Staatsorchester unter seinen animierenden Händen, dass in den multiplen acc ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Panorama, Seite 61
von Peter Krause
Aus diesen Mauern gibt es kein Entkommen. In Àlex Ollés Inszenierung von Wolfgang Fortners «Bluthochzeit» blickt man in ein steinernes Verlies. Die hohen Wände reichen fast bis an den Schnürboden heran. Unten sitzen Mutter und Sohn an einer langen Tafel. Genügend Platz für eine große Familie, doch die beiden leben allein wie in einer Gruft.
Die Oper beruht auf dem...
Ein Fall für die Theaterwissenschaft: die Rückkehr des Pasticcios auf die Opernbühnen unserer Tage. Musiktheater nicht als musikalisch kohärentes Ereignis, sondern eben, wie der Name schon sagt, als Stückwerk, als Arrangement von Arien, Ensembleszenen, Instrumentalstücken.
In Thom Luz’ neuem Opern-Pasticcio ist es der Mythos, dem sich alles unterzuordnen hat:...
Frau Daubnerová, wollen wir über das Verhältnis von Kunst und Politik reden?
Tatsächlich kommt man nicht umhin, über Politik zu sprechen, insbesondere in der Slowakei, wo ich lebe, wenn ich nicht im Ausland arbeite. Nachdem Robert Fico als Ministerpräsident wieder an die Macht gelangte, geschah in meiner Heimat in Windeseile, was der kürzlich abgewählte Viktor...
