Apollinisch

Stefano Montanari und glänzende Solisten interpretieren Hasses Serenata «Enea in Caonia»

Opernwelt - Logo

Als «hübsche Liederchen», die ihn hin und wieder zu einem Besuch der Dresdner Oper verlockten, soll der Leipziger Thomaskantor Bach die Arien seines Kollegen Johann Adolf Hasse bezeichnet haben. Diese Anekdote kommt einem in den Sinn, wenn man «Enea in Caonia» hört. In der Tat ist es vor allem die vokale Eleganz des galanten dolce stil novo, die diese 1727 aus Anlass eines Besuchs des Kölner Kurfürsten Clemens August I. in Neapel entstandene Serenata des langjährigen Dresdner Hofkapellmeisters hörenswert macht.

Ausgegraben wurde das Gelegenheitswerk erstmals wieder 2012 beim Barockfestival im Schlosstheater von Český Krumlov.

Hasse, der «caro Sassone», wie ihn die Italiener liebevoll nannten, war über Jahrzehnte der Hauptvertreter der Metastasianischen Opera seria. Seine Musik, weniger individuell und weniger charakteristisch als die des Londoner Konkurrenten Händel, war so sehr Ausdruck ihrer Zeit, dass sie heute weitgehend vergessen ist und kaum noch gespielt wird. «Anstand, Beständigkeit, Klarheit und Genauigkeit» hat ihr Charles Burney 1775 attestiert. Das trifft ihren Tonfall, bei dem das Orchester selten über die begleitende Funktion hinausgeht – und der oft geradezu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Ein weites Feld

Kaum hat man dieses Buch beglückt aus der Hand gelegt, kommt dem Leser jener legendäre Satz aus Theodor Fontanes Roman «Effi Briest» in den Sinn, zu dem Effis Vater stets dann greift, wenn er unangenehmen Diskussionen mit seiner Tochter entfliehen will. Dieses oder jenes sei, so der alte Briest, doch ein «weites Feld». Oswald Panagl, beinahe drei Jahrzehnte lang...

Das andere Geschlecht

Es ist nur ein Blick, kurz, flüchtig, beiläufig. Man könnte ihn, wäre man für Sekunden unaufmerksam oder abgelenkt, sogar übersehen. Doch Vorsicht ist geboten. In diesem Blick steckt weit mehr als eine knappe Beobachtung; eine ganze Anschauung ist darin verborgen. Und für mein Thema überaus wichtig: Es ist der Blick einer Frau, der einer anderen Frau gilt. Und...

Nichtstun ist keine Alternative

Auf der einen Seite Virologen, Politiker und große Teile der Bevölkerung, die zur Bekämpfung der Pandemie radikale Kontaktbeschränkungen fordern, durchsetzen, akzeptieren. Auf der anderen Seite diejenigen, die froh sind über jede Sondergenehmigung des Senats für die künstlerische Ausbildung, über jeden irgend möglichen Gestaltungsspielraum. Unsere Ausbildung lebt...