Die Schrankwand spielt mit
Man kann Geschichten immer wieder neu und anders erzählen. Selbst bei einer Oper, die alle zu kennen glauben, ist das möglich, in diesem Fall Gioachino Rossinis Buffa «Il barbiere di Siviglia». Für die Produktion der Norske Opera Oslo, die im November 2020 Premiere hatte, war die Regisseurin Jetske Mijnssen verantwortlich, mit der ich zuletzt bei Giovanni Legrenzis Oper «La divisione del mondo» in Straßburg zusammengearbeitet habe. Die Kostüme hat Julia Katharina Berndt entworfen. Dieser «Barbiere» führt uns in eine Gegenwart, die geprägt ist von der Vergangenheit.
Es ist, als würde man Bausteine immer wieder neu zusammensetzen. Die Grundidee besteht aus einer typischen Wohnzimmer-Schrankwand, Symbol der Bürgerlichkeit in den 1960er- und 1970er-Jahren. Sie ist als Objekt begehbar und bespielbar, aber nicht im Detail fertig definiert. So kommt es für die Darsteller zu einer unmittelbaren persönlichen Erfahrung beim eigenen Umgang mit den Möglichkeiten der Wand, die bei den Proben ausgelotet wurden. Keine fühlbaren Umbauten sollten den Ablauf der Aufführung stören. Durch verschiedene Geschwindigkeiten bei der Veränderung einzelner Elemente dieser Wand, etwa der Türen, bis hin zur ...
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Opernwelt März 2021
Rubrik: Serie Licht und Raum, Seite 54
von Götz Thieme
Oper und Corona. Man könnte inzwischen genauso gut von Gott und Satan sprechen. Die Zuschauerräume sind leer. Genau das, wofür wir innigst kämpfen sollen, die Oper, geht nicht mehr. Studieren, Opernregisseur werden, eine Karriere aufbauen, den Druck des Studiums aushalten, uns im (stark strukturierten) Establishment des (stark subventionierten) Opern-Business...
Er wollte eigentlich nur eine Hausaufgabe für die Sommerferien von seinem Kompositionsprofessor erbitten, doch dann überreicht Jules Massenet seinem gerade einmal 17-jährigen Lieblingsstudenten Reynaldo Hahn gleich ein veritables Opernlibretto, die Bühnenfassung eines Erfolgsromans von Pierre Loti. Drei Jahre quält sich der angehende Komponist mit der Arbeit an der...
Die Provokation war evident, ästhetisch wie ideologisch. Heiner Müllers «Sechs Punkte zur Oper», zwei Jahre nach der Uraufführung von Paul Dessaus Musiktheater «Lanzelot» auf ein Schauspiel von Jewgeni Schwarz formuliert, trafen ins Mark eines Staates, der sich von Anbeginn an nicht sicher war, wie er mit seinen Künsten zu verfahren hatte. Das bewies schon allein...
