Anschluss an die Gegenwart
Vilnius’ Renaissance-Schloss ist eine Baustelle. 2009 feiert Litauen das tausendjährige Jubiläum seiner ersten Erwähnung. Seit 1636 wurden hier Opern aufgeführt. Das heutige Opernhaus stammt von 1974 und erinnert mit seinen riesigen Glasfoyers, die den Blick spektakulär zum Neris-Fluss und zur Stadt hin öffnen, an eine Kreuzung aus Frankfurter Oper und Palast der Republik.
Circa hundertvierzig Vorstellungen werden hier jeweils zwischen Oktober und Mai gespielt: insgesamt dreißig Stücke, davon vier bis sechs Neuinszenierungen, je zur Hälfte Oper und Ballett.
Gintautas Kevisas, seit 2002 Intendant des größten Opernhauses des Landes, hat der Kompagnie eine durchgehende Modernisierung verordnet und damit die Platzausnutzung von 60 auf 96 Prozent steigern können – bei 1000 Plätzen in einer Stadt von 600 000 Einwohnern zuzüglich Umland und Touristen. Neben avancierten Regisseuren aus dem Baltikum und Russland lockte der international gut vernetzte Manager und Konzertpianist Regisseure wie Günter Krämer, David Alden, Robert Wilson, Francesca Zambello und (den kürzlich verstorbenen) Anthony Minghella erst als Koproduzent, jetzt vermehrt mit Eigenproduktionen an das Haus. Wilson wird ...
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Die Münchner Erstaufführung von Verdis «I masnadieri» fand überraschenderweise am Gärtnerplatztheater statt, das alles auf eine Karte setzte, sogar erstmals die italienische Originalsprache (mit deutschen Obertiteln) wagte und damit auf ganzer Linie gewann. Das betrifft nicht nur das differenziert spielende Orchester unter dem neuen Ersten Kapellmeister, dem...
Wenn es um Bühnenwerke von Jake Heggie geht, ist es müßig, à la «Capriccio» über die Frage nach dem rechten Verhältnis von Musik und Sprache («prima la musica, poi le parole») zu debattieren. Seit der in San Francisco lebende Komponist Noten setzt, hat er vor allem Texte vertont – zunächst schrieb er Songs, dann Opern («Dead Man Walking») und «musical scenes». Die...
Die Bühne erlebte die Revolution schon vier Jahrzehnte vor der Zeit. Vom Sturm auf die Bastille, die das Ancien Régime der französischen Aristokratie aus den Angeln heben sollte, träumten Mitte des 18. Jahrhunderts nicht einmal jene Aufklärer, die das Ohr am Mundwerk des Volkes hatten und alle Pomade aus Sprache und Künsten zu pusten trachteten. Zweifellos war die...
