Am Mythos vorbei
Was es auf sich hat mit den drei Rheintöchtern und mit einem Riesenbett, das wie angeschwemmtes Strandgut aussieht, werden wir wahrscheinlich erst wissen, wenn der neue Hamburger «Ring» geschmiedet ist. Während Ha Young Lee, Gabriele Rossmanith und Ann-Beth Solvang mit berückendem Wohllaut singen, naht eine Gestalt im weißen Schutzanzug und reinigt – oder desinfiziert – das Gelände am Fluss. Schon in dieser Szene setzt sich Wolfgang Koch als Alberich darstellerisch und sängerisch fulminant in Szene. Zwischenvorhang.
Das zweite Bild zeigt ein Dachgeschoss.
Auf einem riesigen Tisch steht ein Modell: ein eher grauer als grüner Hügel mit einem kleinen Häuschen. Es werkeln die in Knickerbocker-Hosen gekleideten Götterbübchen: der massige Donner (Jan Buchwald, prachtvoll sonor am Ende mit seinem «He da, he do») und der spillerige Froh (Ladislav Elgr, mit schönem, schlankem Tenor). Wotan liegt schlafend im Sessel und wird, von Fricka geweckt, an den Preis erinnert, der für das perspektivisch weit entfernte Häuschen ausbedungen wurde. Und schon kommen sie, die Riesen vom Berge: breitschultrige Kerle mit den Insignien von Luden oder Schlägern. Ihr Bändiger, der listenreiche Loge, stammt ...
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Die feierliche Einleitungs-Sinfonia und die prachtvolle Schluss-Chaconne sind echte Ohrwürmer. Aber auch darüber hinaus hat Domenico Bellis «Orfeo dolente» (1615) dem Opernfreund einiges zu bieten. Der Florentiner «compositore di camera» scheint dem Mantuaner und Neu-Venezianer Monteverdi nämlich mit seinem «Gegen-Orfeo» den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Bellis...
Die Bewunderung seiner komponierenden Zeitgenossen war ihm sicher. Wer während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Rad der Musikgeschichte weiterdrehte, lobte die Bühnenwerke des aus Florenz stammenden Wahl-Franzosen Luigi Cherubini über den grünen Klee. Brahms etwa erblickte in der 1797 uraufgeführten «Medée» gar «das Höchste in dramatischer Kunst». Weber...
Erlöste Welt, kristallklar
Hartmut Haenchen entdeckt an der Pariser Opéra Bastille Wagners «Parsifal» neu
Wagner, sagt Hartmut Haenchen, tickte deutlich schneller, als dessen durch wagnerianische Fürsorge gefestigter Ruf uns heute glauben macht. Schon für seinen Amsterdamer «Ring»-Zyklus hatte der Dresdner Dirigent die Originalquellen studiert – und zwar nicht nur...
