Zwischen Utopie und Archiv

Das Kunstfest Weimar nimmt sich die großen globalen Fragen der Zeit vor. Auf welcher Halde leben wir?

Willst du in der Utopie oder Deponie leben? Diese Frage von Performerin Anna Zett in «Landscapes & Bodies» von Kötter/Israel/Limberg, das beim Kunstfest Weimar erstmalig als vollständiger Zyklus aufgeführt wird, ist durchaus eine der erkenntnisleitenden Fragen, die das Kunstfest in diesem Jahr durchziehen. Lernen wir aus der Vergangenheit, oder archivieren wir sie bloß – vielleicht sogar im Giftschrank? Bereits der Start mit «438 Tage NSU-Prozess.

Eine theatrale Spurensuche» entscheidet sich klar gegen die Deponie und holt den NSU-Komplex aus dem diskursiven Abklingbecken, um mit dem Seziermesser Theater die immer noch bohrenden Fragen um diese wenigstens teilaufgeklärte rechte Terrorserie herauszupräparieren. Der zunächst utopische Anspruch: Die Aufklärung muss weitergehen, zu vieles ist unklar und vertuscht, auch und gerade von den deutschen (Un-)Sicherheitsbehörden.

17 Tage lang wird im Friedrich-Nietzsche-Gedächtnissaal des Alten Funkhauses in Weimar jeweils einer der 13 Anschläge und Morde verhandelt. Als Material dienen Nuran David Calis und Tunçay Kulaoglu die Protokolle des NSU-Prozesses. Calis hat sich bereits in Köln in zwei Theaterproduktionen mit dem NSU-Komplex und ...

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Theater heute Oktober 2021
Rubrik: Festivals, Seite 39
von Torben Ibs

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