Von den miesen Kritzeleien des Lebens
Wenn wir auf die Welt kommen, sind wir ein unbeschriebenes Blatt Papier. Deshalb passt es auch sehr gut, dass das Bühnenbild in Nurkan Erpulats Inszenierung von «Streulicht» im Container des Berliner Gorki Theaters aus nichts als einem überdimensionalen weißen Gebilde besteht, das man nach Herzenslust zusammenfalten, drehen und in verschiedenen Formationen wieder aufklappen kann.
Der Roman, der 2020 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand, handelt von einer Ich-Erzählerin, die als Kind einer türkischen Mutter und eines deutschen Vaters in einem Vorort von Frankfurt am Main aufwächst, in der Nähe eines Industrieparks. Sie setzt dort ein, wo sie, mittlerweile Studentin, in die elterlichen Gefilde zurückkehrt, um an der Hochzeit ihrer Jugendfreunde teilzunehmen. Doch die Rückkehr ist kein freudiges Ereignis, sondern Anlass, über die vermasselte Kindheit und Jugend in dieser von gesichtslosen Einfamilienhäusern und rauchenden Chemiewerken geprägten Gegend nachzudenken.
«Die Luft verändert sich, wenn man über die Schwelle des Ortes tritt. Eine feine Säure liegt darin, etwas dicker ist sie, als könnte man den Mund öffnen und sie kauen wie Watte» – derart sinnlich ...
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Theater heute Oktober 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 13
von Anna Fastabend
Wir, die Vereinigung belarussischer Theater (Belarus Theatre Community), sind ein unabhängiger Zusammenschluss der Theaterschaffenden in Belarus, der sich gegen die Rechtsverstöße und die Gewalt der Regierung nach den Präsidentschaftswahlen im August 2020 ausgesprochen hat. Wir bitten unsere Kollegen und die Theaterinstitutionen weltweit um Solidarität und...
Der Dichter spricht. Kurz nach der Pause schließt sich der Vorhang im Großen Haus des Theaters Lübeck, und Heinrich Mann selbst tritt an die Rampe. Zögernd, unsicher zunächst, spricht er zum Publikum, erzählt, wie «Der Untertan» Diederich Heßlich zu Macht gelangen konnte, mittelmäßiger Schüler, Petze, Verbindungsstudent, Papierfabrikant in der Provinz. Mann erklärt...
Was schenkt man jemandem, der schon alles gesehen hat? Die Salzburger Festspiele wollten ihr Publikum zum 100-jährigen Jubiläum mit einem unbekannten Stück des Festspielgründers Hugo von Hofmannsthal überraschen: «Das Bergwerk von Falun», 1899 verfasst und zu Lebzeiten des Autors unveröffentlicht, war bisher nur wirklich guten Kennern von Hofmannsthals Werk ein...
