Zwei Internationalitäten
Ein internationales Festival wollen die Ruhrfestspiele sein. Und das können sie nun endlich wieder, nach dem Ende der coronabedingten Beschränkungen. Die internationalen Produktionen, die teilweise schon vor zwei Jahren gezeigt werden sollten, nun sind sie da. William Kentridge, Romeo Castellucci und Phelim McDermott – drei große Namen im interkontinentalen Festival-Zirkus – konnten ihre sämtlich vor der Pandemie und vor dem Ukraine-Krieg konzipierten Arbeiten in Recklinghausen zeigen. Und siehe da – die Welt hat sich gar nicht viel verändert.
Die Katastrophen der letzten beiden Jahre zeigen nur, was in den Zuständen der Weltgesellschaft schon angelegt war.
William Kentridge sagt, Unsicherheit sei die Lingua franca von heute. Das ist das Thema seiner multimedialen Produktion «Sibyl», konzipiert 2018, uraufgeführt in Rom 2019 und nun gezeigt bei den Ruhrfestspielen 2022. Niemand weiß, was sein Schicksal sein wird, obwohl es festzustehen scheint. Für diese existenzielle Unsicherheit hat man in der Antike die Figur der Kumäischen Sibylle erfunden. Sie weissagt allen Menschen, die sie in ihrer Höhle besuchen, deren zukünftiges Leben, schreibt es fein säuberlich auf Eichenblätter, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute 7 2022
Rubrik: Festivals, Seite 48
von Gerhard Preußer
Ja damals, 9 n. Chr. bei Kalkriese, siegten die Germanen, und ja damals, 1982 in Bochum, siegte Claus Peymann über Kleists angeblich unspielbares Kriegsdrama «Die Hermannsschlacht». Auch damals konnte man schon lachen über Thuschen, ihren Hermann und ihren römischen Verehrer Ventidius. Peymanns «Hermannsschlacht» war ein Theatertriumph. Zur Feier, dass es nun 40...
Dunkel und drohend, gehauen aus schwarzen Felsen steht er da, der Turm der Prospera. Er erinnert wohl nicht zufällig an Barad-dur, den Turm Saurons aus dem «Herr der Ringe», von dem aus der dunkle Herrscher Mittelerde mit seinem magischen Auge überwacht. In Weimar thront ein leuchtender, farbwechselnder Ring als Symbol des Zauberbanns über allem. Prospera wacht mit...
Und dann kommen die Tränen. Rotz und Wasser, die ganze schöne FFP2-Maske voll. Das passiert eigentlich nicht im Theater. Theater ist Arbeit, intellektuelle Herausforderung, Genuss, verlorene Zeit, wiedergefundene Zeit. Aber «berührend», das ist in erster Linie ein Adjektiv, um in Kritiken einen perfekt inszenierten Moment zu schildern. Schuld daran ist Familie...
