Zugang über die Wut
Als ziemlich spät am Abend der öffentlichen und gestreamten Preisjury-Debatte der Anruf von Stephanie Steinberg kam, war Ewe Benbenek überzeugt davon, dass sich die Festivalleiterin nur erkundigen wollte, wie sie denn so durch den Abend gekommen sei. Natürlich hatte die 1985 geborene Autorin den Rechner zugeklappt, ihr Handy ausgeschaltet und war zu einer Freundin gegangen, um bloß nichts von der Diskussion mitkriegen zu müssen.
Dass die siebenköpfige Jury, zu der auch ich als Mitglied des Auswahlgremiums gehörte, fast drei Stunden lang diskutierte und am Ende Juror Janis El-Bira das Patt zwischen dem dreifachen Mülheimgewinner Rainald Goetz und Ewe Benbenek zu Gunsten der Newcomerin entschied, überraschte nicht nur die Preisträgerin.
Denn auch die Auswahljury hatte nach der Lektüre und Sichtung von Benbeneks starkem Theaterdebüt «Tragödienbastard» die unbekannte Dramatikerin, die noch keinen Verlag hatte, erst einmal googeln müssen. Außer der Uraufführung am Wiener Schauspielhaus und einigen Links im Kontext der Uni Hamburg war wenig im Netz zu finden. Tatsächlich ist Ewe Benbenek im Theaterbetrieb noch ein nahezu unbeschriebenes Blatt. Umso mehr erzählte jedoch ihr ...
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Theater heute Oktober 2021
Rubrik: Das Stück, Seite 44
von Eva Behrendt
Wer denkt sich so etwas aus? Eine Frau, genauer eine Jungfrau, die sich freiwillig einer göttlichen Eingebung unterwirft, allen irdischen Vergnügungen – Liebe! – abschwört und damit in einem patriotischen Feldzugstaumel ihr Land rettet. Am Ende stirbt sie nach einem dann doch gefühlsbedingten Zwischentief mit Gewissensprüfung auch noch den Heldentod. Schillers...
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