Wien: Schwein gehabt
Hamlet ist in die Jahre gekommen. Im Frotteebademantel schlurft Branko Samarovski, 80, ein Urgestein des Burgtheaters, durch ein rotes Portal, das an eine Kasperlbühne erinnert, und flüstert den Anfang von Heiner Müllers berühmter «Hamletmaschine» (1977): «Ich war Hamlet. Ich stand an der Küste und redete mit der Brandung BLABLA.
» Es ist ein zarter, leiser Anfang einer brachialen Inszenierung, die in Folge sehr frei mit dem kurzen Text umgeht, den sie mehrmals in unterschiedlichen Konstellationen wiederholt, und mit einer Passage aus Müllers «Leben Gundlings Friedrich von Preußen Lessings Schlaf Traum Schrei» ergänzt. Im Sarg der Kadaver von Hamlets Vater: ein menschengroßes Schwein aus Gummi, das zuerst auf den Thron gesetzt und später von Marcel Heuperman zu ausgiebigen Sexpraktiken herangezogen wird.
Müller hatte noch die DDR als Referenzrahmen, um von der Rolle der Kunst und der Künstler in Zeiten des politischen Umbruchs zu erzählen, der kroatische Regisseur Oliver Frljic blickt auf die Ruinen von Europa. Wladimir Putin wird da zitiert, der von der Stabilität Russlands schwärmt, Viktor Orbán, der die heterosexuelle Kleinfamilie und «Leitkultur» lobt. Die Österreichflagge ...
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