Theatergeschichte: Hegemoniale Strukturen
Unter dem schönen Titel «Dokumente, Pläne, Traumreste» präsentiert der Leiter der Theaterwissenschaftlichen Sammlung Köln, Peter W. Marx, im Alexander Verlag einen attraktiven, sehr bunt zusammengewürfelten Band zum 100-jährigen Jubiläum der Sammlung. Doch dem Titel werden viele der genderspezifisch und politisch zweifellos korrekt formulierten Textbeiträge von zumeist an der Kölner Universität beschäftigten und für die Sammlung zuständigen Theaterwissenschaftlern nicht unbedingt gerecht.
Sie machen sicher ihrer Zunft alle Ehre, aber in diesem Jubiläumsband brillieren sie vor allem als ihre Themenfelder abhakende Theorie-Netzwerker.
Die Notwendigkeit, mit dem Buch doch so etwas wie einen Katalog zu produzieren und mit möglichst verlockenden Abbildungen zum Besuch der Sammlung einzuladen, hat aber doch dazu beigetragen, dass die erstaunlichen «Schätze» ins rechte Licht gerückt werden. Und so kommt im Mit- und Gegeneinander die Eigenart sehr unterschiedlicher Bühnenbildner wie Ludwig Sievert, Ernst Stern, Caspar Neher, Oskar Schlemmer, Teo Otto, John Heartfield, Traugott Müller oder Hein Heckroth zur Wirkung. Gerne betrachtet man auch schöne, höchst originelle Schauspielerfotos ...
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Sollte Ihnen der österreichische Politiker Hans Kudlich (1823–1917) kein Begriff sein, ist das keine Schande. Der Mann, nach dem in Wien noch zu Lebzeiten eine Gasse benannt wurde, ist auch in seiner Heimat in Vergessenheit geraten. Trotzdem hat Thomas Köck die historische Figur jetzt schon zum zweiten Mal zum Titelhelden eines Stücks gemacht. Kudlich war jüngster...
Vor ziemlich genau 100 Jahren kam es mit Franz Kafkas Erzählungen und Romanfragmenten zum ersten Mal in die Welt, das Bild des Menschen als einem von diffusen Mächten fremdbestimmten Wesen. Kafkas K.s, im «Prozess» wie im «Schloss», bewegen sich in einer Welt der Unübersehbarkeiten, die ihnen fremd ist und in der sie Fremde bleiben, gleichwohl unter ständiger...
Hamlet ist in die Jahre gekommen. Im Frotteebademantel schlurft Branko Samarovski, 80, ein Urgestein des Burgtheaters, durch ein rotes Portal, das an eine Kasperlbühne erinnert, und flüstert den Anfang von Heiner Müllers berühmter «Hamletmaschine» (1977): «Ich war Hamlet. Ich stand an der Küste und redete mit der Brandung BLABLA.» Es ist ein zarter, leiser Anfang...
