Theatergeschichte: Hegemoniale Strukturen
Unter dem schönen Titel «Dokumente, Pläne, Traumreste» präsentiert der Leiter der Theaterwissenschaftlichen Sammlung Köln, Peter W. Marx, im Alexander Verlag einen attraktiven, sehr bunt zusammengewürfelten Band zum 100-jährigen Jubiläum der Sammlung. Doch dem Titel werden viele der genderspezifisch und politisch zweifellos korrekt formulierten Textbeiträge von zumeist an der Kölner Universität beschäftigten und für die Sammlung zuständigen Theaterwissenschaftlern nicht unbedingt gerecht.
Sie machen sicher ihrer Zunft alle Ehre, aber in diesem Jubiläumsband brillieren sie vor allem als ihre Themenfelder abhakende Theorie-Netzwerker.
Die Notwendigkeit, mit dem Buch doch so etwas wie einen Katalog zu produzieren und mit möglichst verlockenden Abbildungen zum Besuch der Sammlung einzuladen, hat aber doch dazu beigetragen, dass die erstaunlichen «Schätze» ins rechte Licht gerückt werden. Und so kommt im Mit- und Gegeneinander die Eigenart sehr unterschiedlicher Bühnenbildner wie Ludwig Sievert, Ernst Stern, Caspar Neher, Oskar Schlemmer, Teo Otto, John Heartfield, Traugott Müller oder Hein Heckroth zur Wirkung. Gerne betrachtet man auch schöne, höchst originelle Schauspielerfotos ...
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Es klopft, hämmert, dröhnt am Eisernen. Will da wer raus? Oder rein? Als der enorme Vorhang in die Höhe fährt, gibt er den Blick frei auf eine wüste Leere, durch die leiser Nebel wabert, auf einen gewaltigen Metallkubus, an dessen Wänden der Rost hinabtrieft (Bühne: Julia Kurzweg). Ein Unort, fürwahr, ein Unterschlupf oder vielleicht ein Gefängnis. Darin hausen, so...
Wer oder was ist schuld am Faschismus? Spontan fallen einem eine ganze Reihe möglicher Ursachen ein. Auf eine wäre man jedoch nicht so leicht gekommen: die verheerende Wirkung des Schlagers, die der Berliner-Ensemble-Dramaturg Bernd Stegemann mit Rückgriff auf Theodor W. Adorno ausmacht. In seinem Programmheftaufsatz zu Michael Thalheimers «Katzelmacher»-Adaption...
Susanne Sachsse ist irgendwie der Star des Abends: Mit ihrer Paraphrase des schwarzpädagogisch-klassischen Grimmschen Märchens vom eigensinnigen Kind, das seiner Mutter nicht gehorchte und daher auch dem Herrgott nicht gefiel, der es sterben ließ und das nach der Beerdigung immer wieder ein Ärmchen aus dem Grab reckt, als hätte es ihm Stephen King vorgesungen,...
