Festival: Hand vors Auge!
Wir lernen Bilder lesen. Was meinen die kämpferischen jungen Frauen aus Chile, was die Performance-Dokumentaristen, die vom Kampf des indigenen Mapuche-Volks im Grenzgebiet zu Argentinien erzählen, wenn sie im Schlussbeifall eine Hand vor ein Auge legen? Im Internet der Netzwerke ist die Geste ein bisschen bekannt, auf den Bühnen des Heidelberger Theaters wird sie es nach einigen Tagen.
Sie erinnert an die vielen Opfer der Demonstrationen in Chile seit Oktober vorigen Jahres, denen beim millionenfachen Protest gegen die autoritäre Regierung des Präsidenten Pinera mit Tränengas-Granaten und noch schlimmeren Waffen von Polizisten und Militärs Augen weggeschossen wurden. Wer sich erinnern mag – vor langer Zeit in Genua, beim Protest gegen die Gipfeltreffen der wirtschaftlich potentesten G-7-Nationen, hielten Demonstrantinnen und Demonstranten weißgemalte Hände zu Tausenden in die Kameras der Weltpresse – die chilenische Hand vor dem Auge hat noch dramatischere Wucht.
«Paisajes para nao colorear», Marco Layeras viel gereistes Stück der neun jungen Widerständlerinnen aus Chile (es war zuletzt auch in Berlin sowie gerade in München und Frankfurt zu sehen) ist ein Beispiel für die «Kunst ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ich sitze in der letzten Maschine aus Teheran. So sieht es aus. Den Flughafen habe ich immer gehasst. Der Teheraner Flughafen IKA, weit entfernt von der Stadt in einer Wüstenlandschaft, hat nichts zu tun mit dem Teheran, das ich kenne, ist aber meine Verbindung in den Iran. Heute Nacht kriegt er von mir mehr Mitleid als Hass. Denn nun sitze ich neben vielen Iranern...
Aufführungen
Deutliche Frauenübermacht auf der Regiebank im April: Alize Zandwijk kämpft in Bremen gegen den Kapitalismus und für Brechts «Die Heilige Johanna der Schlachthöfe».
Daniela Löffner zerlegt in Dresden mit Wedekinds «Lulu» männliche Geschlechterbilder. Susanne Wolff gibt in Frankfurt/M. Dea Lohers «Das Leben auf der Praca Roosevelt» einen neuen...
Die Universität Gent hat im März Milo Rau, dem Leiter des NT Gent, die Ehrendoktorwürde verliehen. Universitätsrektor Rik Van de Walle erinnert sich bei dem Festakt noch genau, wie beeindruckt er im September 2018 war, als er Raus «Die Wiederholung» sah: «Ab diesem Moment war mir klar, dass wir Milo eines Tages ein Ehrendoktorat verleihen würden.» Die Universität...
