Wie geht‘s uns denn heute?
Das Unbehagen in der Kultur» ist anscheinend Privileg derer, die für Kultur verantwortlich sind. Schon Sigmund Freud zog 1930 ein kritisches Resümee der Moderne und ihrer Errungenschaften, zu denen auch die Psychoanalyse zählt: So sehr der Mensch sein Triebleben zugunsten der Beherrschung der Natur auf Eis gelegt habe, die Aggression verschwinde so nicht aus der Welt. Wo der Mensch sich immer mehr selbst regiere, richte sie sich nur mehr gegen ihn selbst.
Davon kann «der Autor» auf der Schaubühne am Lehniner Platz ein Liedchen singen.
Eigentlich sollte es ihm ja bestens gehen – schicke Schauspielerfreundin, lukrative und den sozialen Status befördernde Opernregieaufträge, überhaupt ein kreativer, Selbstverwirklichung ermöglichender Beruf zwischen komfortablen Hotelzimmern und ausgleichenden Therapiesitzungen. Trotzdem steckt der Mann in der Krise: Seine «langjährige Beziehung ist gerade weggebrochen», dann der ständige Produktivitätszwang, die traurigen Routinen, obendrein der vierzigste Geburtstag. Im eigenen Spiegelbild lauern Verfall und Vergeblichkeit («Oh Gott, was ist das denn? Ein in die Jahre gekommener Teenager!»), und erst recht beim kranken Vater, dessen ...
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So ähnlich wie Matze in dem Stück «Ultras», das im Thalia-Theater Halle vor einem Jahr für erheblichen Wirbel sorgte, geht es der Bühne nun selber. «Manchmal ist es absurd», sagt der zu so ziemlich allem bereite Fußballfan da, «manchmal hörst du sowas wie: ‹geile Choreo!› und so. Aber die Leute haben gar keine Ahnung. Weil der, ders entworfen hat, steht mit...
«Maximum City» nennt der Autor Suketu Metha Bombay, und seine gleichnamige journalistische Erzählung beginnt mit dem Satz: «Bald werden mehr Menschen in Bombay leben als auf dem australischen Kontinent.» (Suketu Metha: Maxium City – Bombay, Lost and Found, Vintage, 2005) Man schätzt Bombays gegenwärtige Einwohnerzahl auf über 20 Millionen, die Bevölkerungsdichte...
Sollte vom deutschen Privatfernsehen, dieser großartigen Trashverfertigungsanstalt für alle, von all seinen Primatenbräuten namens Daniela Katzenberger und Mittelstandsmarionetten wie Lena Meyer-Landrut einmal nichts übrigbleiben als ein dickes, orangefarbenes Buch, dann, ja dann darf man sagen: Es hat sich gelohnt. Jahre der Plackerei in den Castingfabriken der...
