Von Massen und Minderheiten

Ein Tauchgang in die Theater Bombays: Ästhetik ist zweitrangig oder wie man 100 Vorstellungen in vier Monaten spielt und zwei Stunden mit 1200 anderen Menschen lacht

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«Maximum City» nennt der Autor Suketu Metha Bombay, und seine gleichnamige journalistische Erzählung beginnt mit dem Satz: «Bald werden mehr Menschen in Bombay leben als auf dem australischen Kontinent.» (Suketu Metha: Maxium City ­– Bombay, Lost and Found, Vintage, 2005) Man schätzt Bombays gegenwärtige Einwohnerzahl auf über 20 Millionen, die Bevölkerungsdichte gilt als die zweitgrößte der Welt, und täglich strömen mehr Menschen in die Stadt auf der Suche nach einem besseren Leben oder nach Ruhm in den Traumfabriken Fernsehen und Bollywood.

Mumbai, so heißt die Hauptstadt des Staates Maharashtra heute offiziell, in den Herzen und im Sprachgebrauch vieler Bewohner ist sie aber Bombay geblieben. Der Stadt sind durch das Meer und die sumpfigen Mangroven nach Süden, Westen und Osten natürliche Grenzen gesetzt, und so platzt die Maximum City inzwischen aus allen Nähten.

Der Verkehr ist eine tägliche Geduldsprobe für Lungen, Ohren und den Terminkalender. Die Reichen und Stars schieben sich in teuren Autos mit getönten Scheiben im Schritttempo an Bussen und Auto-Rikschas vorbei, auf dem Bürgersteig daneben hungernde Migranten vom Land, die dem Gehweg mit einer Plastikplane ein Stück ...

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Theater heute Dezember 2010
Rubrik: Ausland, Seite 38
von Sophia Stepf

Vergriffen
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