Die TV-Bibel

Ist das Unterschichtfernsehen eigentlich eine Revolte von unten? «Die Casting-Gesellschaft», ein Interviewband mit Opfern und Analytikern der DSDS-Medien-Moderne, kommt zu interessanten Schlüssen

Theater heute - Logo

Sollte vom deutschen Privatfernsehen, dieser großartigen Trashverfertigungsanstalt für alle, von all seinen Primatenbräuten namens Daniela Katzenberger und Mittelstandsmarionetten wie Lena Meyer-Landrut einmal nichts übrigbleiben als ein dickes, orangefarbenes Buch, dann, ja dann darf man sagen: Es hat sich gelohnt. Jahre der Plackerei in den Castingfabriken der Republik, die immer von neuem Zigtausende vorwiegend junger Menschen über ihre Fließbänder schleusen und am Ende jeweils ein gutes Dutzend glitzriger Amateure in den Arenen von Mottoshows und Finalsendungen verfeuern.


Denn dieses Buch, das sich im klugen Bücherregal fast so gut macht wie der orangefarbene Ziegelstein «Abfall für alle» von Rainald Goetz, ist die Essenz von allem. Die bisherige jedenfalls. Und es gibt einem sofort den Glauben an eine noch nicht so alte Studienrichtung, an die man vor diesem Buch noch nie geglaubt hatte. Sie nennt sich Medienwissenschaften, das Buch heißt «Die Casting-Gesellschaft», herausgegeben und bevorwortet haben es die beiden Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen und Wolfgang Krischke, gefüllt haben die rund 350 Seiten 25 ihrer Studierenden, und man muss schon sagen: Was diese ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2010
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Simone Meier

Vergriffen
Weitere Beiträge
Aufführungen

Der Dezember bringt erstaunliche Zeitreisen zurück ins 20. Jahrhundert, als die Welt noch übersichtlicher war; vor allem in Amerika, damals noch unbestrittene Nummer 1 als Weltwirtschaftsmacht. Mit allen dazugehörigen Klassenausdifferenzierungen, von den Wanderarbeitern in John Steinbecks Roman «Früchte des Zorns» (1939), den Armin Petras fürs Berliner Gorki...

Freibeuter der Erbmaterie

Sexuell gesehen, dürfte die Zukunft den Blattläusen gehören. Die grünen Winzlinge sind da, wo die menschliche Evolution erst noch hin will. Bei der Jungfernzeugung (auf Expertendeutsch: Parthenogenese), einer freudlosen, aber effizienten Form der massenhaften Vermehrung, die praktischerweise ohne Befruchtung auskommt. Sprich: ohne Männer.

In der...

Sterntalerkind

«... oder Ein Puppenhaus»: Den Titel wörtlich nehmend, dreht sich Nora als Ballerina im Babydoll und mit plustrigem Rothaar auf giftgelbem Boden der Oberhausener Bühne, die bis auf eine grellgrüne Tannenbaum-Silhouette leer und von jederlei bürgerlichem Inventar verschont bleibt. Nora gehört ganz ins 19. Jahrhundert. Aber diese hier nicht in ein Salonstück und...