Werk oder Wust?
Heilige Schrift I» – darunter macht es Wolfram Lotz nicht mehr. Mit gerade mal einem halben Dutzend Stücken in den Dramatiker-Olymp aufgestiegen, holt er nun auf einen Schlag nach, was er im letzten Jahrzehnt an Seiten gespart hat.
Ein Jahr lang einfach «alles» aufschreiben, so der Plan (den Rainald Goetz bereits 1998 mit «Abfall für alle» schon einmal durchexerziert hat, noch bevor Karl Ove Knausgård zehn Jahre später mit seinem sechsbändigen autofiktionalen Exzess «Mein Kampf» die Grenzen der Offenheit noch einmal an den Rand des Erträglichen und manchmal darüber hinaus verschob). Bei Lotz gibt es Grenzen, die Familie betreffend, Frau und Kinder werden als N, E und O zwar erwähnt und laufen mal kurz durchs Bild, aber Beziehungsthemen kommen nicht zur Sprache. Dafür werden mitunter die lieben Kolleg: -innen und die Literaturbranche ins Kreuzfeuer genommen.
Dennoch bleibt es ein Beobachtungsexperiment, das unweigerlich auf das Leben des Beobachters zurückschlägt, ein Fall von Selbsterschreibung als Selbstbeschreiber, was naturgemäß zu Rückkoppelungseffekten führt, in die sich die potenzielle Leserschaft – womöglich schreiberisch vorbelastet – einklinken kann. Die doppelte ...
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Theater heute 7 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Silvia Stammen
ANNABERG, EDUARD- VON-WINTERSTEIN-THEATER
24. Strauss, Robin Hood
R. Jasmin Sarah Zamani
AUGSBURG, STAATSTHEATER
12. Ukwanda Puppets & Designs Art Collective, Iskhalo somlambo / Der Ruf des Wassers (U)
R. Dorothea Schröder
AUGSBURG, SENSEMBLE
1. Sebastian Seidel, Marathon
R. Sebastian Seidel
BADEN-BADEN, THEATER
13. Goethe, Reineke Fuchs
R. Rosalinde Renn
B...
Und da beim Lesen all der Stücke, beim Diskutieren da - rüber in den Jurysitzungen mit Julischka Eichel und Christiane Rösinger, im Austausch mit dem Haus, mit Bernd Isele und Franziska Trinkaus, mit Claus Caesar und Ulrich Khuon, und dann beim Nachdenken da -rüber, was ich denn hier zu der Eröffnung der Autor:innentheatertage 2022 sagen könnte, immer wieder...
Angeblich hasst es das Publikum, wenn es zum Mitmachen animiert werden soll. In Christopher Rüpings Inszenierung von Mieko Kawakamis Roman «Brüste und Eier» am Hamburger Thalia Theater aber lassen sich die Zuschauer:innen begeistert direkt angehen. «Hallo …», lächelt Maike Knirsch zu Beginn schüchtern in den Saal, «Hallo!» schallt es aufmunternd zurück. Worauf...
