Geisterjagd im Gestern und Morgen
Wer den Matthäikirchhof in Leipzig betritt, der fühlt sich sofort an Marc Augés Idee der Nicht-Orte erinnert. Denn statt einer Kirche, wie der Name vermuten lässt, stehen hier rund um einen Parkplatz nur angeranzte DDR-Bürogebäude, die ab 1986 die lokale Filiale der Stasi beherbergten. Dabei ist dieser Platz einer der ältesten der Stadt. Die namensgebende Kirche wurde allerdings im Zuge der sozialistischen Umgestaltung abgerissen. Nach der Wende übernahm das Arbeitsamt, und die im Keller eingerichtete Stasi-Sauna wurde zum Gay-Club.
Heute hausen hier die Gespenster all jener vergessenen Geschichten.
Von ihnen erzählt «Letzter Aufguss» des Wiener Kollektivs Darum, die in den Räumen der Sauna in einer immersiven Site-specific-Performance eine Geisterbeschwörung durchführen. Die Zuschauer werden in Bademäntel gehüllt und auf einen Stationenparcours geschickt, in dem sie auf die Geister der Geschichte treffen – verkörpert durch Mitglieder des Ensembles. Jede Station hat dabei nur drei bis vier Gäste pro Durchgang, und so sorgt die Enge der Räume für ein sehr intimes Theatererlebnis. Da beklagt sich etwa eine der unbekannten Bach-Töchter, dass sie keine Musik machen durfte, ein ...
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Theater heute 7 2022
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Torben Ibs
Sivan Ben Yishai erzählt. Wie die Autorin sich das kollektiv betriebene Café «k-fetisch» als zweites Neuköllner Wohnzimmer ausgesucht hätte, wie die Räume zeitweilig geschlossen worden wären aufgrund von Vorwürfen gegen sexistisches Verhalten von Mit -arbeitern, wie das Kollektiv daraufhin die Vorwürfe und den internen Klärungsprozess in einem Newsletter öffentlich...
Es gibt diesen einen kurzen Moment. Da berichtet Laura Uhlig von einem auffälligen Knoten, der bei ihr festgestellt wurde und dann glück -licherweise eine harmlose Vernarbung war. Da erzählt Jonas Anders in einem Halbsatz von seiner Krebserkrankung vor zwei Jahren und seiner seither immer währenden Angst vor jeder Nachsorgeuntersuchung. Und da spricht Günter...
Zusammen» – das stand als Motto des nunmehr siebten Performing Arts Festivals in diesem Jahr nicht nur für den Versuch, dem tendenziell unüberschaubaren und thematisch unverbundenen Wildwuchs freier Theaterproduktionen in Berlin einen Rahmen zu schaffen («Wie wollen wir ZU-SAMMEN leben und unsere Zukunft gestalten, wie wollen wir ZUSAMMEN arbeiten, ein ZU-SAMMEN...
