Freibeuter der Erbmaterie
Sexuell gesehen, dürfte die Zukunft den Blattläusen gehören. Die grünen Winzlinge sind da, wo die menschliche Evolution erst noch hin will. Bei der Jungfernzeugung (auf Expertendeutsch: Parthenogenese), einer freudlosen, aber effizienten Form der massenhaften Vermehrung, die praktischerweise ohne Befruchtung auskommt. Sprich: ohne Männer.
In der Science-fiction-Performance «Sexmission», für die sich die Trash-Puppenspielgruppe Das Helmi aus Berlin ans Theater Freiburg gebeamt hat, wird die Erde mit Hilfe von Blattlaussex von einem totalitären Zukunftsstaat, einer «Republik der Frauen», beherrscht. Alles Maskuline wurde ausgerottet. Alles? Nicht ganz. Zwei unerschrockene Wissenschaftler, Florian Loycke und Emir Tebatebai nebst Figurendoubles, ließen sich 50 Jahre vor der Frauendiktatur zu Forschungszwecken einfrieren. Frisch aufgetaut, wähnen sie sich im Paradies, wo die Kinder «Ein Mädchen steht im Walde» singen und «die Pille der Konzentration» schlucken, zwecks Pubertät.
Mit dieser Droge verwandelt sich die kleine Stabpuppe Lamia im Nu in ein zwei Meter hohes Schaumstoffmonster, bewegt, gesprochen und gedoppelt von der ebenfalls hochgewachsenen Anna Böger. Max und Albert, die ...
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Es ist Spargelzeit! Jedenfalls im Wiener Volkstheater, wo Gianina Cãrbunarius böse Groteske «Spargel» um den rumänischen Saisonarbeiter Dani und seine Schnäppchenjagd im britischen Supermarkt von Christina Hommel uraufgeführt wird. Um das Leben auf den Feldern eines europaweiten Arbeitsmarkts kreist auch das mit dem Förderpreis des Berliner Stückemarkts...
Sehr hoch, sehr rot sind die Lackpumps, mit denen der geschniegelte römische Abgesandte Ventidius um die barfüßige germanische Fürstengattin Thusnelda wirbt. Auf diesen hohen Hacken überragt die majestätische Wiebke Puls ihren Hermann um Haupteslänge, und wenn Peter Kurth, die gewaltige Wampe selbstbewusst vorgestreckt, sie zum Kuss zu sich herabzieht, befindet er...
Zweimal Elfriede Jelinek am Rhein, zwei rivalisierende Städte, zwei gegensätzliche Konzepte für den Umgang mit Jelineks Texten: einmal «Skandal», einmal «Triumph». Der Düsseldorfer Skandal dauerte zwei Vorstellungen lang: massenhafter Abgang des Publikums während der Premiere, ein Zuschauer bespuckt eine Regieassistentin nach der zweiten Vorstellung. Ab der...
