Von indischen Elefanten und armen Hunden

Wiener Festwochen mit Marthaler und Mundruczó, Cate Blanchett, Paulus Hochgatterer und noch viel mehr

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So ein Plot muss einem erst einmal einfallen: Hindu-Gott Ganesh – das ist der mit dem Elefantenkopf – reist im Zweiten Weltkrieg aus Indien nach Deutschland. Seine Mission: Er will den Nazis das Hakenkreuz, ein Derivat der hinduistischen Swastika, wieder wegnehmen. Ganesh begegnet gleich einmal Doktor Mengele (der sich natürlich sehr für diesen bizarren Elefantenmenschen interessiert), rettet einen entflohenen KZ-Häftling, der zwei Jahre lang Mengeles Patient war, und dringt schließlich bis ins Führerhauptquartier vor.

Kann man, darf man so eine Geschichte erzählen? Und wenn ja, wie? Solche Fragen stellt sich Bruce Gladwins Inszenierung «Ganesh Versus the Third Reich» selbst und beantwortet sie damit zugleich auch: so schon. Die krude, scheinbar naive Geschichte wird gleich mehrfach gebrochen. Erstens sind die Schauspieler des Back to Back Theatre aus
Melbourne durch geistige Behinderungen verschiedener Art (Autismus, Down-Syndrom u.a.) gehandicapt. Und zweitens wird das Ganesh-Märchen als Making-of einer Theaterproduktion erzählt.

«Denk an Bruno Ganz!», rät der Regisseur (gespielt von David Woods, dem einzigen nichtbehinderten Schauspieler) seinem Hitler-Darsteller Simon Laherty. ...

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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Festivals, Seite 6
von Wolfgang Kralicek

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