Die Tür zur Geschichte
Dem Zufall verdanke sie diesen Preis, sagte die junge ägyptische Theatermacherin Laila Soliman im November letzten Jahres zu den versammelten SPD-Honoratioren, die ihr den 1. Internationalen Willy-Brandt-Sonderpreis für besonderen politischen Mut verliehen, dem schlechten politischen Gewissen, das aus der fragwürdigen deutschen Außenpolitik resultiere, «und vielleicht der Tatsache, dass ich Ihren Vorstellungen einer Revolutionärin entspreche: jung, unverschleiert, gebildet, nicht religiös; kurz: jemand, mit dem Sie sich identifizieren können.
»
Auf dieses Identifikationspotenzial setzte auch das Ballhaus Naunynstraße in seiner Werbekampagne für das Festival «Voicing Resistance», das anderthalb Jahre nach Beginn des «arabischen Frühlings» künstlerische Stimmen des Widerstands aus Kairo, Jenin, Ramallah oder Beirut versammelte. Auf dem großformatigen Plakat blickt man in Solimans ausdrucksstarkes Gesicht, vom Kopf blutet ihr eine tote Friedenstaube ein dekoratives Rinnsal über die schöne Märtyrer-Stirn. – Weiter kann man sich von Solimans eigener pathosfreier Bühnen-Ästhetik, die dem gesprochenen Wort und der unmittelbaren Kraft des Dokumentarischen vertraut, kaum entfernen.
Fremdbes ...
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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Magazin: Festival, Seite 69
von Anja Quickert
Wahrscheinlich wäre Ernst Schumacher einverstanden gewesen, wenn man ihn als «stur» bezeichnet hätte, und zwar in der oberbayerischen Lesart des Begriffs. Also eher hartnäckig und zäh als dogmatisch; eher unbeirrbar und störrisch als ideologisch, wobei es zwischen den semantischen Feldern durchaus Überschneidungen gibt.
Er stammte aus bäuerlich katholischen...
Jetzt ist es vorbei: Nach neun Erfolgsjahren am Berliner HAU verlässt Intendant Matthias Lilienthal Haus und Stadt. Zum Abschied folgte er noch mal dem alten Motto Überforderung mit 24 Stunden «Unendlicher Spaß» und einer weitläufigen «Weltausstellung» auf dem Tempelhofer Feld. An den Münchner Kammerspielen schlägt Michael Thalheimer zum ersten Mal auf mit...
Zum Saisonschluss auch das noch: 24 Stunden «Unendlicher Spaß», eine fragmentarische Adaption des 1545 Seiten starken Riesenromans von David Foster Wallace durch 13 Künstler und Kollektive des Berliner Kombinats Hebbel am Ufer – und eine Reise durch die «utopisch» genannte West-Berliner Architektur der 60er und 70er Jahre. 24 Stunden Theater, das heißt,...
