Vergangenheitsschrott und Zukunftsmüll
1815 bricht auf der indonesischen Insel Sumbawa der Stratovulkan Tambora aus. Mit einer so gewaltigen Intensität kehrt die Erde ihr Innerstes nach außen, dass das ausgestoßene Material zu weitreichenden Wetterveränderungen in Nordamerika und Europa führt. Die vulkanische Asche verdunkelt den Himmel, und das Jahr 1816 geht als «Jahr ohne Sommer» in die Geschichte ein.
Am Genfer See ist der Urlaub von Lord Byron, seinem Leibarzt John Polidori, der jungen Mary Goldwin, später Mary Shelley, gründlich verhagelt: «Lasst uns Gruselgeschichten schreiben», ruft der Dichter aus, und im ausbleibenden Sonnenlicht des düsteren Sommers entstehen die erste Vampirgeschichten der Literatur und die Fantasie vom künstlichen Menschen «Frankenstein». Später wird Byrons Tochter, die Mathematikerin Ada Lovelace, erste Schritte der Programmierung von Maschinen gehen und das digitale Zeitalter einläuten.
1819 ersticht der Burschenschaftler Carl Ludwig Sand den reaktionären Dichter August von Kotzebue für die liberal-nationalen Ideen des Vormärz und verübt damit das erste politische Attentat der deutschen Geschichte, dessen Instrumentalisierung und Heroisierung die rechte Szene betreibt, beispielsweise ...
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In gewisser Weise bin ich in einem gigantischen Kunstwerk groß geworden: in einer alten Mühle, mitten in der Natur, direkt am Fluss mit einem riesigen Garten, einem Teich, einem Atelier, einem Puppentheater und viel, viel Kunst.
Dies war ein perfektes «Biotop für Menschen», das von meinem Vater, Eugen Mahler, einem leidenschaftlichen Naturforscher und Künstler,...
Man liest und hört manchmal Dinge, die einem sofort sehr einleuchten, flüchtige Spontan-Wahrheiten, an die man sich für immer erinnern möchte – und die man in der nächsten Minute aber schon spurlos vergessen hat. Dann vergehen Jahre, und plötzlich, im passendsten oder unpassendsten Moment, erinnert man sich an den flüchtigen Rest eines vor Jahren geführten...
Vorworte von Spielzeitheften sind meist ähnlich spannend wie das Wort zum Sonntag. Das erste von Martin Kušej verantwortete Spielzeitheft des Burgtheaters aber beginnt mit einem Text, der sich wie ein programmatisches Manifest liest. Darin heißt es: «Das Burgtheater wird sich fortan und endgültig nicht mehr als ‹teutsches Nationaltheater› begreifen, das nur in...
