Auf der Suche nach dem Unfindbaren

Was eine Theaterregisseurin von ihrem Vater lernen kann, wenn er ein Künstler ist wie Eugen Mahler

Theater heute - Logo

In gewisser Weise bin ich in einem gigantischen Kunstwerk groß geworden: in einer alten Mühle, mitten in der Natur, direkt am Fluss mit einem riesigen Garten, einem Teich, einem Atelier, einem Puppentheater und viel, viel Kunst. 

Dies war ein perfektes «Biotop für Menschen», das von meinem Vater, Eugen Mahler, einem leidenschaftlichen Naturforscher und Künstler, in Zusammenarbeit mit meiner Mutter geschaffen wurde. 

Mein Vater malte viel mit uns und war begeistert von unseren Kinderzeichnungen.

Er hielt wenig vom staatlichen Schulsystem und machte uns Mut, bei unserer eigenen Art des kreativen Ausdrucks zu bleiben und uns nicht von vorgefertigten Meinungen und Schemata unterkriegen zu lassen. Jedoch verfolgte er damit kein pädagogisches Konzept und hatte generell wenig übrig für eine von außen auferlegte Kreativität. 

Entweder kam ein Kind aus eigenem Antrieb zu ihm ins Atelier und malte oder bastelte, während er seine Kunstwerke herstellte, oder eben nicht. Beide Wege waren völlig in Ordnung und unterlagen keinerlei Wertung oder Zwang. 

Mein Vater war in gewisser Weise ein Verweigerer der offiziellen Ordnung. Ein Beispiel dafür ist sein 1970 entstandener «Nonsenseordner-Altar» ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2019
Rubrik: Künstler Positionen, Seite 34
von Anna-Sophie Mahler

Vergriffen
Weitere Beiträge
Vorsicht, Lebensgefahr

Sind Sie verzweifelt oder hegen suizidale Gedanken oder stellen diese bei Bekannten fest, wenden Sie sich bitte an Menschen, die dafür ausgebildet sind.» 

Wenn wir Google oder eine andere Maschine mit der Suche nach Suizid, Selbstmord oder Freitod beauftragen, stoßen wir am Ende der vorgeschlagenen Seiten immer wieder auf Aufforderungen dieser Art. Es folgen...

Das Ensemble, mein*e Lieblingskünstler*in

Als ich für mein Studium von Salzburg Land nach Hamburg zog, hatte mein Kulturschock Ausmaße einer schwindelerregenden Identitätskrise, die mich in eine depressive Dauerverwirrung stürzte. Den einen kulturellen Unterschied, den das 18-jährige Bauernmädchen, das ich war, aber sehr klar sehen und sofort freudig wertschätzen konnte, war die Qualität der...

Kein Kommentar

Immer wieder sehen wir das ernste, ruhige, nachdenkende und schelmische Gesicht von Cleo, das so viele Gefühle bewegt, die wir nicht lesen können. Sie ist das Kindermädchen im Haushalt einer privilegierten weißen Familie der Mittelschicht, die im behüteten Stadtteil Roma in Mexico City lebt. Cleo ist Mestizin und kommt aus dem Dorf Oaxoca. Sie bedient zusammen mit...