Nationaltheater mit Akzent
Vorworte von Spielzeitheften sind meist ähnlich spannend wie das Wort zum Sonntag. Das erste von Martin Kušej verantwortete Spielzeitheft des Burgtheaters aber beginnt mit einem Text, der sich wie ein programmatisches Manifest liest. Darin heißt es: «Das Burgtheater wird sich fortan und endgültig nicht mehr als ‹teutsches Nationaltheater› begreifen, das nur in einer Zunge spricht und nur auf einem Ohr hört.» Um zu verstehen, was damit gemeint ist, braucht es einen kleinen Exkurs in die Geschichte des Burgtheaters – und zwar bis ganz zurück an den Ursprung der Institution.
Als Gründungsdatum des Burgtheaters gilt der 23. März 1776. Damals verfügte Joseph II., dass das bis dahin privat betriebene «Theater nächst der Burg» ab sofort vom Hof verwaltet und finanziert werden solle; beiläufig ist in dem Schreiben von einem «teutschen Nationaltheater» die Rede. Gemeint war damit schlicht, dass auf der Bühne Deutsch gesprochen werden sollte; vorher hatten sich deutschsprachige Schauspieltruppen mit französischen und italienischen abgewechselt. Die Bühnensprache wurde am Burgtheater seither nicht mehr ernsthaft hinterfragt, der Begriff Nationaltheater aber hat sich bis heute erhalten. «Das ...
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Ende der Vorstellung: Eine junge Frau verirrt sich in den leeren Theatersaal und trifft dort auf einen mittelalten Mann. Sie ist Autorin, er Regisseur. Doch davon wissen die beiden zunächst nichts. Wovon er dagegen schnell erfährt, ist ihre Wut. Denn diese ist immens. Sie ist wütend über den katastrophalen, leblosen Theaterabend, den sie erlebt hat. Sie ist wütend...
Man liest und hört manchmal Dinge, die einem sofort sehr einleuchten, flüchtige Spontan-Wahrheiten, an die man sich für immer erinnern möchte – und die man in der nächsten Minute aber schon spurlos vergessen hat. Dann vergehen Jahre, und plötzlich, im passendsten oder unpassendsten Moment, erinnert man sich an den flüchtigen Rest eines vor Jahren geführten...
In dem von Aristophanes 411 v. Chr. uraufgeführten Stück «Lysistrata» wird der Krieg zwischen Sparta und Athen zum Kampf der Geschlechter. Um den Frieden zu erzwingen, starten die Frauen hinter der Frontlinie einen Vergeltungsschlag auf Krieg und Patriarchat. Sie ziehen alle Register weiblicher Verführungskunst und quälen die Männer durch Enthaltsamkeit – und...
