Seltsame Pracht
Man liest und hört manchmal Dinge, die einem sofort sehr einleuchten, flüchtige Spontan-Wahrheiten, an die man sich für immer erinnern möchte – und die man in der nächsten Minute aber schon spurlos vergessen hat. Dann vergehen Jahre, und plötzlich, im passendsten oder unpassendsten Moment, erinnert man sich an den flüchtigen Rest eines vor Jahren geführten Gesprächs oder an einen Satz auf einem Zettel an der Wand des Kunstmuseums von Philadephia. Danke, Gedächtnis, denkt man dann, es ist schön, wenn wir zusammenarbeiten.
Jetzt gerade zum Beispiel, wenn die Fragestellung sich um den Stand der Künstler*in in der Gegenwart drehen soll, fällt mir – passender- oder unpassenderweise – ein, wie die damals siebenjährige Nichte des Töpfers Grayson Perry auf die Frage, was denn überhaupt eine Künstler*in sei und was er/sie tue, geantwortet hat: Eine Künstler*in sei jemand, der Sachen bemerke. «What do Artists do? They notice stuff». Kann man einen so seltsamen Beruf noch einfacher und klarer beschreiben? In meinen Augen nicht.
A propos Augen: Von dem amerikanischen Maler Mark Tansey, um den es hier kurz gehen soll, gibt es ein Gemälde, das heißt «The innocent eye test». Eine Gruppe edel und ...
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Wir wurden im Frühjahr 2019 vom leitenden Dramaturgen Daniel Richter angefragt, ob wir die zehn Inszenierungen des diesjährigen Theatertreffens sehen und auf die Frage hin einschätzen wollen, wie männlich das Theatertreffen sei. Als Theaterwissenschaftlerinnen und Geschlechterforscherinnen nahmen wir uns dieser Aufgabe sehr gern an – und hier sind nun unsere...
Beim Atelier-Rundgang der Berliner Universität der Künste 2014 stand da ein ominöser schwarzer Kubus mit zwei grünen Knöpfen. Das Betätigen des einen Knopfes generierte eine neue, scheinbar willkürliche Zahl auf dem Display. Beim Betätigen des anderen Knopfes wurde ebendiese Zahl auf einen weißen Sticker gedruckt.
Die Leute drückten so lange auf den Knöpfen...
And this is where the script ends ...» bekennt Orit Nahmias, das Bühnen-Alter-Ego von Yael Ronen, in deren letztem Stück «Yes but No» etwa nach der Hälfte der Aufführung. Das Publikum hat bis zu diesem Zeitpunkt eine hochaktuelle Auseinandersetzung mit dem Sprechen über Sex, Macht und Missbrauch im Verhältnis der Geschlechter nach #MeToo erlebt. Es hat Ausbrüche...
