Seltsame Pracht

Mark Tanseys Gemälde überlisten zärtlich das selbstverständliche Schauen

Theater heute - Logo

Man liest und hört manchmal Dinge, die einem sofort sehr einleuchten, flüchtige Spontan-Wahrheiten, an die man sich für immer erinnern möchte – und die man in der nächsten Minute aber schon spurlos vergessen hat. Dann vergehen Jahre, und plötzlich, im passendsten oder unpassendsten Moment, erinnert man sich an den flüchtigen Rest eines vor Jahren geführten Gesprächs oder an einen Satz auf einem Zettel an der Wand des Kunstmuseums von Philadephia. Danke, Gedächtnis, denkt man dann, es ist schön, wenn wir zusammenarbeiten.

Jetzt gerade zum Beispiel, wenn die Fragestellung sich um den Stand der Künstler*in in der Gegenwart drehen soll, fällt mir – passender- oder unpassenderweise – ein, wie die damals siebenjährige Nichte des Töpfers Grayson Perry auf die Frage, was denn überhaupt eine Künstler*in sei und was er/sie tue, geantwortet hat: Eine Künstler*in sei jemand, der Sachen bemerke. «What do Artists do? They notice stuff». Kann man einen so seltsamen Beruf noch einfacher und klarer beschreiben? In meinen Augen nicht.

A propos Augen: Von dem amerikanischen Maler Mark Tansey, um den es hier kurz gehen soll, gibt es ein Gemälde, das heißt «The innocent eye test». Eine Gruppe edel und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2019
Rubrik: Künstler Positionen, Seite 50
von Thom Luz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Vorsicht, Lebensgefahr

Sind Sie verzweifelt oder hegen suizidale Gedanken oder stellen diese bei Bekannten fest, wenden Sie sich bitte an Menschen, die dafür ausgebildet sind.» 

Wenn wir Google oder eine andere Maschine mit der Suche nach Suizid, Selbstmord oder Freitod beauftragen, stoßen wir am Ende der vorgeschlagenen Seiten immer wieder auf Aufforderungen dieser Art. Es folgen...

Vergessen

Ander gräbt. Seine Hände sind verbunden, sie eitern unter den Verbänden. Trotzdem arbeitet er weiter an diesem Tunnel unter seiner Hütte, im sandigen Grund. Auch wenn jetzt niemand mehr kommt, will er vorbereitet sein. Denn irgendwann werden sie doch wieder kommen, und dann wird dieser Tunnel seine Goldgrube sein.

Ander ist eine der Figuren, die im «Territo­rium»...

It’s a match!

In dem von Aristophanes 411 v. Chr. urauf­geführten Stück «Lysistrata» wird der Krieg zwischen Sparta und Athen zum Kampf der Geschlechter. Um den Frieden zu erzwin­­gen, starten die Frauen hinter der Frontlinie einen Vergeltungsschlag auf Krieg und Patriarchat. Sie ziehen alle Register weiblicher Ver­füh­rungs­kunst und quälen die Männer durch Enthaltsamkeit – und...