Unter Männern
Der Untertitel ist eine Anmaßung. «Politisches Theater seit 1919», das hat einen allumfassenden Anspruch, und natürlich schlägt man Peter W. Marx’ «Macht|Spiele» sofort mit der Besserwisser-Motivation auf, Beispiele zu finden, die der Kölner Theaterhistoriker übersehen hat. Das weiß Marx freilich selbst, weswegen er schon in der Einleitung «Interventionistische Formen, Agitprop, Performances, die selbst als politische Aktion verstanden werden wollen» ausschließt.
Politisches Theater also ohne Christoph Schlingensief, ohne Rimini Protokoll, ohne Hans-Werner Kroesinger und ohne She She Pop: Marx bietet eine Sparpackung an, und man weiß nicht, ob man ihm das durchgehen lassen möchte, nur weil er es schuldbewusst zugibt. Jedenfalls: Man findet keine blinden Flecken, weil der Autor schon auf den ersten Seiten sagt, wo seine blinden Flecken liegen; das ist ein wenig enttäuschend.
Also weiter. «Die Krone» ist ein theaterhistorisch motivierter Abriss über die deutsche «Richard III.»-Rezeption, von Leopold Jessners expressionistischer Deutung (Berlin 1920) über Jürgen Fehlings zwischen Kritik und Opportunismus schwankender Inszenierung (Berlin 1937) bis zu Saladin Schmitts zwiespältiger ...
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Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Bücher, Seite 45
von Falk Schreiber
Es geht um einen Wettbewerb. Am Ende wird jemand gewinnen, und für den Sieg wird mit harten Bandagen gekämpft. Sieben Teenager bewerben sich bei einem Tanz-Contest, es steht ein Ausscheidungssystem an, vielleicht gewinnt man die erste Runde in Mannheim, vielleicht auch Zürich und Rotterdam, vielleicht geht es zum Finale nach London. Kann sein. Ist auch wichtig....
Am Anfang ist das Wort. Nicht das der Befragerin, Dorte Lena Eilers, sondern das der Befragten: Valery Tscheplanowa. Sie spricht, in fünf Gedichten, die tief blicken lassen in eine eigenständige, zerrissene Seele: «Und Wache halt ich / Adler Echo, über Dich / Der Du den Aufbruch wagst ins Eigne».
Es folgt ein langes Gespräch, das auf 130 Seiten immer weiter...
Dieses Buch ist selbst wie eine Bühne. Ein Paket von fast 3 kg, auf dem Umschlag ein junger Roberto Ciulli, clownesk geschminkt, Zigarre in der Hand, melancholisch ins Weite blickend. Fremd, verführerisch. Ein Titelbild, das spüren lässt, wie schockverliebt der Verleger Alexander Wewerka war, als er Ciulli erstmals in Mülheim sah, jener von Berlin aus so entlegen...
