Die Frau ist selbstgemacht
Am Anfang ist das Wort. Nicht das der Befragerin, Dorte Lena Eilers, sondern das der Befragten: Valery Tscheplanowa. Sie spricht, in fünf Gedichten, die tief blicken lassen in eine eigenständige, zerrissene Seele: «Und Wache halt ich / Adler Echo, über Dich / Der Du den Aufbruch wagst ins Eigne».
Es folgt ein langes Gespräch, das auf 130 Seiten immer weiter vordringt ins Eigene der russischstämmigen Schauspielerin, geboren 1980 in Kasan, 800 km östlich von Moskau.
Wobei Eilers vor allem als bestätigendes Echo und Faktenlieferantin fungiert.
Wo es langgeht und wohin, bestimmt Tscheplanowa. Der Gesprächsverlauf mändert von Salzburg, wo sie 2019 im «Jedermann» die Buhlschaft spielte (und nur als Tod zurückkehren würde), zum russischen Schamanen in der verschneiten Hütte im Wald und dem deutschen Alleinunterhalter, in den sich die Mutter auf einem Kreuzfahrtschiff verliebt: die «Groschenroman-Episode». Er lockte Mutter und die 8-jährige Valery ins schleswig-holsteinische Kaff, aus dem Land der Emotion ins Land der Reflektion, wie Tscheplanowa die zwei Seelen in ihrer Brust beschreibt.
Das Patchwork aus Erinnerungen, Anekdoten, Reflektionen hat ein klares Ziel im Auge, und das heißt: ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Bücher, Seite 47
von Barbara Burckhardt
Zwei Stunden sitzt die Schauspielerin Pauline Kästner fest; wie ein Häuflein Elend auf einem Sandhaufen in der Mitte der Bühne des Nürnberger Staatstheaters. Ihr Aktionsradius ist denkbar klein, Regisseur Andreas Kriegenburg hält sie an der kurzen Leine: Dieser Antigone gibt er keinerlei Chance einzugreifen. Sie mag sich winden, mag im Sand wühlen, Spuren suchen...
Gerade noch denkt man, was für ein hochästhetischer Anblick: diese abgestuften Rot- bis Rosa-Töne, durchzogen von feinen weißen Äderchen; diese Assemblagen aus popkulturellen Icons und Straßenrand-Trash, diese irgendwie geschwungenen, organischen Formen. Doch langsam setzen sich die Bildmotive genauer zusammen: bis auf leichte Fleischreste abgeschabte Knochen,...
Falk Schreiber Mitte März habe ich mich sehr auf die Premiere von Studio Brauns «Coolhaze» am Hamburger Schauspielhaus gefreut. Aber am 13. März kam die Meldung, dass die Premiere ausfallen, das Schauspielhaus die restliche Spielzeit wegen Corona für beendet erklären würde. Charly Hübner, Sie hätten in «Coolhaze» gespielt. Wie haben Sie das wahrgenommen?
Charly...
