Nürnberg Staatstheater: Sandhaufen Elend

Sophokles «Antigone»

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Zwei Stunden sitzt die Schauspielerin Pauline Kästner fest; wie ein Häuflein Elend auf einem Sandhaufen in der Mitte der Bühne des Nürnberger Staatstheaters. Ihr Aktionsradius ist denkbar klein, Regisseur Andreas Kriegenburg hält sie an der kurzen Leine: Dieser Antigone gibt er keinerlei Chance einzugreifen. Sie mag sich winden, mag im Sand wühlen, Spuren suchen und verwischen – alles, was um sie und mit ihr geschieht, muss sie hilflos mitansehen. Immer ist sie präsent, als Mahnerin und Mahnmal – eine Pietà, freilich auf verlorenem Posten.

Man kann nicht sagen, dass dieser Antigone Kriegenburgs Sympathie gehört. Er stellt sie ab, und wie sie da unübersehbar im Mittelpunkt hockt und hockt und hockt, verkümmern ihr Schicksal und ihr ungeheures Anliegen gleich mit. Den Bruder, den Gegner, hat sie trotz strikten Verbots begraben, was es jetzt noch auszuhandeln gilt, betrifft in dieser Inszenierung weniger die Person des aufmüpfigen Mädchens als die Staatsräson. Also tigert Kreon (Michael Hochstrasser) wie ein Aufgestörter durch sein wackliges Reich und muss sich zuvörderst mit seinem Volk auseinandersetzen, das Entscheidung und Tatkraft von seinem Herrscher einfordert. Das ...

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Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Bernd Noack

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