Unter Druck
Trump, Brexit, Le Pen und Co. sei Dank – endlich sieht man ein bisschen klarer! Die heftigen Veränderungen in den westlichen Demokratien sind auf oder gerade noch kurz vor den Regierungsbänken angekommen und machen deutlich, was sich zum Teil seit Jahrzehnten anbahnt. Nicht zuletzt Elfriede Jelinek bündelt die Phänomene in ihrem Stück des Jahres wieder einmal vorbildlich, obwohl Klarheit eigentlich nicht unbedingt eine Jelineksche Kategorie ist.
Aber wie soll man sonst einen Prozess beschreiben, in und bei dem der stadttheaternotorische Intellektuelle und kritische Kritiker selbst Partei ist, vor allem, wenn er sich selbst als glühenden Verteidiger eines demokratischen Liberalismus’ sieht?
Sozialer Wandel und kultureller Wertewandel haben in den spätmodernen westlichen Gesellschaften Dimensionen erreicht, die drohen, stabile liberale Demokratien in unterschiedlich instabile illiberale Demokratien zu verwandeln. Auf den prestigeträchtigen und ökonomisch relevanten Gewinnerbänken sitzt das sogenannte Establishment, also das bislang diskursbestimmende, akademisch gebildete Bevölkerungsdrittel der neuen Mitte und Wissensökonomie, das sich untereinander einen wenig kompromissbereiten ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Höhepunkte des Jahres 2017/18, Seite 140
von Franz Wille
Es ist unmodern geworden, politische Eingriffe und Perspektiven noch anhand der klassischen Lagerbestimmungen vorzunehmen. Andererseits sind sich alle einig, dass die vielen skandalösen Politiker und Bewegungen, die in den letzten Monaten und Jahren Macht erworben haben, alle eines eint: Sie sind Rechte. Und sie hatten Erfolg, weil sie linke Themen umdeuten...
Seit Anfang des Jahres gibt es in Großbritannien ein neues Ministerium: «Ministry for Loneliness». Dies ist keineswegs eine literarische Erfindung, wie das «Ministerium für Wahrheit» in George Orwells «1984», sondern eine real existierende Behörde. Mitsamt einer zuständigen Ministerin, die sich außer um die Bekämpfung der sich epidemisch ausbreitenden Einsamkeit...
«Tartuffe», das fünfzehnte von dreiunddreißig überlieferten Dramen Molières, war jene Komödie, die unmittelbar nach ihrer Uraufführung 1664 mit dem Bann des Aufführungsverbots belegt wurde, die klerikale Kräfte veranlasste, den Dichter auf den Scheiterhaufen zu wünschen, und einen fünfjährigen erbitterten Kampf Molières um die Aufhebung des Verdikts durch den...
