Die 40-Tage-Lösung
Seit dem Erwachen meines politischen Bewusstseins Mitte der 1970er Jahre war der Begriff «Heimat» für kritische Menschen diskreditiert, damals vor allem durch die Nähe des Begriffs zu der Blut–und-Boden-Ideologie der Nationalsozialisten. Ich selbst würde sagen, dass er mich immer irritiert und ich ihn nie benutzt habe. Er stand einfach im Verdacht, ein bisschen miefig und rückwärtsgewandt zu sein. Die sogenannten Gastarbeiter*innen, die ab Mitte der 60er Jahre systematisch angeworben wurden, spielten in diesem Heimatbegriff keine Rolle.
Gäste bleiben immer nur auf Zeit, um dann wieder abzureisen. Die Tatsache, dass Gastarbeiter*innen noch nie mitgemeint wurden, hätten wir sicher schon früher problematisieren müssen.
Heute haben wir es mit einem Rechtsruck in ganz Europa zu tun und 13 Prozent AfD-Wähler*innen in Deutschland. Die Koalition zwischen SPD und CDU erweitert das Innenministerium durch ein Heimatministerium, dessen Kopf Horst Seehofer verkündet, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Bürgerliche Parteien und auch Teile der Linken nehmen nationale und fremdenfeindliche Konzepte auf. Auch wenn die Grenzen der EU nur für eine bestimmte Gruppe von Menschen tatsächlich offen ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Die Heimatfrage (1), Seite 26
von Amelie Deuflhard
«Nous sommes embarqués dans la vie … Cela n’est pas volontaire, vous êtes embarqué … Nous sommes tous le produit de nos croyances.» (Blaise Pascal)
1 «Paladar Latino»
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In gesellschaftlichen Diskursen wird derzeit wiederholt die Figur der Flut bemüht, um das Bild des Eindringens «fremder» oder neuer Menschen und Ideen in eine bestehende Ordnung zu zeichnen. Je nach politischer Fasson wird dieses Eindringen als Bedrohung einer heilen Welt oder als Chance einer Erneuerung begriffen. Auch die Frage nach «neuen» Narrativen, Praktiken...
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