Überraschend unterhaltsam
Schon bemerkenswert: Gut 180 Jahre lang kümmert sich mehr oder weniger niemand hierzulande um diesen Text. Und kaum behandelt ihn die «FAZ» in der Reihe «Spielplan-Änderung!» als eines der «Stücke, die das Theater braucht», da setzt geradezu ein Wettrennen ein: 2019 erschien besagter Zeitungsbericht, im März 2021 sollte es in Karlsruhe die deutsche Erstaufführung geben. Die wurde dann wegen Corona verschoben und so noch von der Saarbrückener Premiere im Herbst 2021 überholt.
Das Interesse an «Gabriel» von George Sand – 1839 als Roman erschienen, aber sehr bühnentauglich in Dialogen geschrieben – dürfte damit zusammenhängen, dass die Story an aktuelle Fragen andockt: Lassen sich Menschen strikt nur in zwei Geschlechter einteilen? Und wenn ja, ist dieses Geschlecht angeboren oder aner -zogen? Dennoch wäre es gewagt, «Gabriel» als aktuellen Debattenbeitrag zu deuten. Zwar wendet sich die Titelfigur Gabriel ausdrücklich gegen die simple Binarität von Männlein und Weiblein. Doch in Frage gestellt werden hier nicht die Kategorien als solche, sondern die sozialen Zuschreibungen: Durch die Maskerade der Titelfigur stellt «Gabriel» die Ungerechtigkeit bloß, mit der Frauen zu Zeiten von ...
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Theater heute 7 2022
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Andreas Jüttner
Sivan Ben Yishai erzählt. Wie die Autorin sich das kollektiv betriebene Café «k-fetisch» als zweites Neuköllner Wohnzimmer ausgesucht hätte, wie die Räume zeitweilig geschlossen worden wären aufgrund von Vorwürfen gegen sexistisches Verhalten von Mit -arbeitern, wie das Kollektiv daraufhin die Vorwürfe und den internen Klärungsprozess in einem Newsletter öffentlich...
Es gibt diesen einen kurzen Moment. Da berichtet Laura Uhlig von einem auffälligen Knoten, der bei ihr festgestellt wurde und dann glück -licherweise eine harmlose Vernarbung war. Da erzählt Jonas Anders in einem Halbsatz von seiner Krebserkrankung vor zwei Jahren und seiner seither immer währenden Angst vor jeder Nachsorgeuntersuchung. Und da spricht Günter...
Sie sind 12 Sekunden voraus. So lange dauert es, bis das Signal unterm Atlantik, in den amerikanischen Serverpark geleitet, wieder zurückgeschickt wird und per Internet auf der großen Leinwand im Schauspielhaus Basel landet. Kaum hat Elif Karci das klargemacht, geht sie forschen Schrittes aus dem Theater, die Kamera hinter ihr her. Es wird drei Stunden und 35...
