Fake It Till You Make It
Woran kann man sich da festhalten? Ein aufblasbares Plastikgefängnis als Bühne, an dessen Wän -den man nur abgleiten und in dessen Bodenspalten man versinken kann, darin fünf hyperaktive Sprecher:innen, die alles um sich herum schwindlig reden. Es geht um Erziehung, den Staat, die Zivilisation, die Lohnarbeit, geile Gefühle und noch einiges mehr. Außerdem gibt es einen Stein, der atmet, wenn auch manchmal nur noch flach.
Katja Brunner hat mit «Die Kunst der Wunde» (der Stückabdruck liegt diesem Heft bei) ein eindrucksvolles Stimmengewirr angerichtet, das sich erst bei näherer Lektüre zu einem kohärenten Ganzen fügt: der radikalen Krankheitsdiagnose einer Gesellschaft, eingefangen durch Loslabern unter konsequenter Selbsteinkreisung. Denn einen gesicherten kritischen Standpunkt, ein Außen, von wo aus sich eine Ordnung etablieren ließe, gibt es hier nicht. Sarkasmen blitzen auf, Sprachspiele werden gespielt, Monologe brechen aus dem Fels und gehen dann in der nächsten Sequenz wieder verschütt im nächsten Sprechanfall.
Die Stimmen kreisen um die Imperative, die Zurichtungen und Forderungen eines durchoptimierten beschleunigten Lebens, den damit verbundenen Zwängen und dem, was ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute 7 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Franz Wille
So ein Jubel war lange nicht am Schauspiel Düsseldorf, wo Abendgarderobe bis heute die Premierenoptik prägt und selbst bei Standing Ovations die Frisuren nicht verrutschen. Bei der Uraufführung von «Working Class» in der Regie von Bassam Ghazi sprüht eine andere Begeisterung aus den Publikumsreihen, Klatschen, Pfiffe, Trampeln. Der junge Mann neben mir ruft bei...
Dunkel und drohend, gehauen aus schwarzen Felsen steht er da, der Turm der Prospera. Er erinnert wohl nicht zufällig an Barad-dur, den Turm Saurons aus dem «Herr der Ringe», von dem aus der dunkle Herrscher Mittelerde mit seinem magischen Auge überwacht. In Weimar thront ein leuchtender, farbwechselnder Ring als Symbol des Zauberbanns über allem. Prospera wacht mit...
Das Grunzen ist ohrenbetäubend. Noch bevor das Licht angeht, hat der Lärm bereits begonnen. Als es hell wird, kreisen zwei gewaltige, silbrige Ringe über die Bühne, zwischen ihnen klemmen Leiber: Schweine auf der Schlachtbank. Oder im Solarium? Sind wir hier bei Tönnies – oder auf den Ringen des Saturn? Irgendwo zwischen Extraterrestrischem und Massentierhaltung...
