Die Kunst der Wunde

© schaefersphilippen™ Theater und Medien GbR 2020

Theater heute - Logo

BEVOR WIR ANFANGEN ZU SCHNEIDEN & SCHLAGEN, geneigte Leser*innenschaft, es gilt: Jede Einzelne, jeder Einzelne von uns ist zum Teil aufgrund der sozialen Verwundbarkeit unserer Körper politisch verfasst – als ein Ort des Begehrens und der physischen Verwundbarkeit, als Ort einer öffentlichen Aufmerksamkeit, der durch Selbstbehauptung und Ungeschütztheit zugleich charakterisiert ist.

Verlust und Verletzbarkeit ergeben sich daraus, dass wir sozial verfasste Körper sind: An andere gebunden und gefährdet, diese Bindungen zu verlieren, ungeschützt gegenüber anderen und durch Gewalt gefährdet aufgrund dieser Ungeschütztheit. Eine Verletzbarkeit muss wahrgenommen werden, um in einer ethischen Begegnung eine Rolle zu spielen.
J. Butler

 

Sieben der Sphäre des Krankenhauses zuzuordnende Sprachsprechinstanzen stehen auf einem enormen Felsbrocken, der den Raum okkupiert. Der Fels atmet vermutlich. Dann und wann ist man sich sicher unsicher, ob der Fels atmet. Alle sind Pflegefachkräfte, Raumpfleger:innen, (Ober-unter-über)Ärztinnen usw., eignen sich jederzeit andere Funktionen an, es wimmelt nur so von Expertise, ein wenig sind wir im Internetz.

FELS I – Puls der Petrifikation – ALLE

Atmet ...

KATJA BRUNNER, geboren 1991 in Zürich, studierte Literarisches Schreiben am Literaturinstitut Biel/Bienne und Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Mit dem Stück «von den beinen zu kurz» gewann sie 2013 den Mülheimer Dramatikpreis, seither sind sechs weitere Stücke, Auftragswerke und Überschreibungen entstanden, zuletzt wurde «Kunst der Wunde» am Schauspiel Leipzig uraufgeführt. Katja Brunner war und ist außerdem Gastdozentin am Leipziger und am Bieler Literaturinstitut.

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute 7 2022
Rubrik: Das Stück, Seite 100
von Katja Brunner

Weitere Beiträge
«Ich muss meine Figuren beschützen»

Es sind krasse Gegensätze, die sie in ihren Figuren zu vereinen weiß: etwa eine wunderliche Kindlichkeit, Unschuld, auch Unterwürfigkeit auf der einen Seite und eine gewisse Durchtriebenheit, lebenserfahrene Reife und Selbstbestimmtheit auf der anderen. 

Agnes Sorel in Schillers «Jungfrau von Orleans» ist so eine Figur, der die junge Schauspielerin Vassilissa...

Werk oder Wust?

Heilige Schrift I» – darunter macht es Wolfram Lotz nicht mehr. Mit gerade mal einem halben Dutzend Stücken in den Dramatiker-Olymp aufgestiegen, holt er nun auf einen Schlag nach, was er im letzten Jahrzehnt an Seiten gespart hat. Ein Jahr lang einfach «alles» aufschreiben, so der Plan (den Rainald Goetz bereits 1998 mit «Abfall für alle» schon einmal...

An der Abtastnadel

Ja damals, 9 n. Chr. bei Kalkriese, siegten die Germanen, und ja damals, 1982 in Bochum, siegte Claus Peymann über Kleists angeblich unspielbares Kriegsdrama «Die Hermannsschlacht». Auch damals konnte man schon lachen über Thuschen, ihren Hermann und ihren römischen Verehrer Ventidius. Peymanns «Hermannsschlacht» war ein Theatertriumph. Zur Feier, dass es nun 40...