Tut was!

Lessing «Nathan der Weise» (Werkstatt)

Theater heute - Logo

Fast liegt es auf der Hand, die Gelenkigkeit, die Grazie der Lessingschen Verse einmal
direkt ins Körperliche, ins Tänzerische zu übersetzen: «Nathan» nicht nur als rhetorisches, sondern als buchstäbliches Ballett (mit Worten) aufzufassen. Das Stück zeichnet sich entgegen seinem Ruf nicht allein durch trockene Vernunft, sondern vor allem durch eine eminente Theatralität aus; diese ernstzunehmen, kann oder muss auch heißen: die Komik des Textes zu forcieren.

Die junge Regisseurin Franziska Marie Gramss unternimmt in ihrer Bonner Werkstattinszenierung mit sieben fabelhaften Schauspielern einen bestechenden Versuch, «unser aller Aufsatzthema» (so der Schriftsteller Lutz Seiler) mit der Souveränität und der Chuzpe einer begabten Abiturientin so anzugehen, dass der Lehrer den erwarteten Toleranzappell vielleicht eine Weile zwischen den Zeilen suchen muss, aber aus dem zustimmenden Schmunzeln nicht mehr herauskommt.

Die Bühne von Carolin Mittler: ein eierschalfarbenes Halbrund mit einer schmalen Bank, auf der die Akteure Platz nehmen. Das Eierschalfarbene spielt auch in den fantasievollen Kostümen (ebenfalls von Mittler) eine bedeutende Rolle, der beleibte Nathan (Günter Alt) ist ganz so ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2011
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Martin Krumbholz

Weitere Beiträge
Kunst kostet!

Wer in den letzten Wochen und Monaten in ein deutsches Theater ging, konnte froh sein, wenn er nach dem Applaus ohne weitere Hiobsbotschaften entlassen wurde. Wenn es nicht so glücklich lief, standen ein paar Schauspieler auf der Bühne, berichteten in wohlgesetzten Worten von drohenden Sparszenarien und riefen die Zuschauer wenn nicht zur So­lidarität, so doch...

In der Wohlwollensfalle

Die Jahre 2006 bis 2008 in Berlin-Heinersdorf (hinter Pankow) müssen sehr bewegend gewesen sein. Die Gegend ist traditionell unspektakuläres, halbzersiedeltes nord-östliches Großstadt-Umland, Mischgewerbe und Wohnhäuser. Ausgerechnet hier, mitten im schon wieder recht provinziellen Irgendwo, wollte die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde ihre neue Moschee bauen und hat...

It’s Weimar Time

Katastrophen aller Art durchwehen das Londoner Theater diesen Herbst und Winter: Erdbeben in der Hauptstadt, Bombenanschläge in Indonesien, politische Radikalisierung in Afghanistan und ein demoralisierter Weihnachtsmann. Dafür entdeckt Salisbury – unerwartetes Geschenk unterm Baum – in Philip Massinger einen Sohn der Stadt und Shakespeare-Zeitgenossen neu. Also...